„Nichts für kleine Mädchen“: Von Quoten, der Kunst zu scheitern und keine Interviews zu geben. Mit Karin Henkel
Shownotes
In dieser Folge von Theaterfrauen spricht Greta Călinescu mit Karin Henkel über Frauen in der Regie, den Druck des eigenen Anspruchs und ein Theaterleben zwischen wechselnden Städten und Ensembles. Die Regisseurin blickt auf ihre Anfänge zurück und erzählt, was sie heute weitergeben möchte – und welche Freiräume sie für ihre Arbeit braucht.
Darüber sprechen wir
- Regisseurinnen zwischen Pionierinnen, Wegbereiterinnen und der nächsten Generation
- die Aussetzung der Frauenquote beim Berliner Theatertreffen und die Verantwortung der Theater
- Annegret Ritzels Frage nach dem Stellenwert von Frauen und Kultur
- das Gefühl, sich als Frau stärker behaupten und mehr leisten zu müssen als Männer
- Älterwerden, Erfahrung und das Weitergeben an Assistierende und Studierende
- das Leben aus dem Koffer, Gästewohnungen und Heimat durch Freund*innenschaften
- Vertrauen im Ensembles und das Ankommen in einem neuen Probenraum
- knappe Bühnenproben, Zeitdruck und die Freiheit, Umwege zu gehen
- Interviews, Einführungen und die Frage, wie viel Erklärung eine Inszenierung braucht
- sexistische Theaterkritik, Verrisse und der eigene künstlerische Anspruch
- „Klischee oder Wahrheit“: Regie, Macht, Autorität und Scheitern
Über die Gästin
Karin Henkel
Karin Henkel wurde 1970 in Köln geboren und wuchs in Lübeck auf. Ihre Theaterlaufbahn begann sie als Regieassistentin am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, wo sie 1993 mit Coline Serreaus »Hase Hase« ihr Regiedebüt gab. Im selben Jahr wechselte sie ans Wiener Burgtheater zu Claus Peymann und arbeitete dort zunächst als Assistentin von George Tabori, ab 1994 auch als Regisseurin. Seit 1997 arbeitet sie an zahlreichen großen deutschsprachigen Bühnen, darunter am Schauspiel Stuttgart, Schauspiel Köln, Schauspielhaus Zürich, Thalia Theater Hamburg, Deutschen Schauspielhaus Hamburg, Schauspiel Frankfurt, Deutschen Theater Berlin, an den Münchner Kammerspielen, am Residenztheater München, bei den Salzburger Festspielen, am Theater Basel und am Burgtheater Wien. Neben Schauspiel inszeniert Karin Henkel auch regelmäßig Oper.
Theaterempfehlung der Folge
Karin Henkel empfiehlt „The Bride and the Goodnight Cinderella“ von Carolina Bianchi und ihrem Kollektiv Cara de Cavalo. Die Performance ist der erste Teil der Trilogie „Cadela Força“ und beschäftigt sich mit sexualisierter Gewalt gegen Frauen, Erinnerung und dem Körper. Henkel erzählt, wie nachhaltig sie diese Arbeit beschäftigt und verstört hat.
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Credits
Moderation: Greta Călinescu
Links
- Karin Henkel – Biografie beim Deutschen Schauspielhaus Hamburg
- Karin Henkel – Ausbildung und Werdegang bei Munzinger
- Theaterpreis Berlin – Karin Henkel, Preisträgerin 2018
- Karin Henkel und „Amphitryon und sein Doppelgänger“ – Berliner Festspiele
- „Beute Frauen Krieg“ – Theatertreffen 2018
- „Richard the Kid & the King“ – Salzburger Festspiele 2021
- „Die Abweichlerin“ – Deutsches Schauspielhaus Hamburg
- „Das große Heft“ – Deutsches Schauspielhaus Hamburg
- „Sankt Falstaff“ – Burgtheater Wien
- Annegret Ritzel – Biografie bei den Mülheimer Theatertagen
- Theatertreffen 2027 und 2028 ohne Frauenquote – nachtkritik.de
- Karin Henkel über Zeitdruck und Theaterkritik – Interview von 2018
- Carolina Bianchi y Cara de Cavalo: „The Bride and the Goodnight Cinderella“ – HAU Hebbel am Ufer
- „A Noiva e o Boa Noite Cinderela“ – Festival d’Avignon, Archiv 2023
- Greta Călinescu – Theater Ulm
- Greta Călinescu – Instagram
Transkript anzeigen
00:00:00: Musik]
00:00:01: Theaterfrauen. Ein Podcast mit Greta Călinescu.
00:00:06: Musik]
00:00:07: Herzlich willkommen zu Theaterfrauen, ein Podcast für, mit und über Frauen am Theater. Mein Name ist Greta Călinescu und ich freue mich sehr über meinen heutigen Gast. Karin Henkel gehört seit vielen Jahren zu den wichtigsten Regisseurinnen des deutschsprachigen Theaters. Ihre Inszenierungen werden zu den großen Festivals eingeladen. Sie bringt den Blick auf Klassiker ebenso wie auf zeitgenössische Stoffe und für viele jüngere Regisseurinnen ist sie längst selbst zu einer Wegbereiterin geworden.
00:00:32: Genau darüber möchte ich heute mit ihr sprechen. Was bedeutet es, Teil einer Generation von Frauen zu sein, die den Regieberuf am Theater nachhaltig verändert hat? Welche Türen wurden ihr geöffnet und welche musste sie selbst aufstoßen? Hat sich wirklich etwas verändert oder kämpfen jüngere Regisseurinnen heute noch immer mit denselben Fragen?
00:00:51: Außerdem interessiert mich ein anderer Aspekt ihres Berufs: Karin Henkel ist ständig unterwegs, von Theater zu Theater, von Ensemble zu Ensemble. Wie lebt man mit diesem Vagabundieren? Entsteht dadurch Freiheit oder auch Heimatlosigkeit? Und wie verändert dieses ständige Unterwegssein den Blick auf Menschen, auf Stoffe und auf das Theater selbst?
00:01:09: Wir sprechen über erste Male und große Zweifel, über das Älterwerden im Theater, über Kritiken und darüber, warum sie ihre Arbeiten lieber für sich sprechen lässt, als sie in Interviews zu erklären. Ich freue mich sehr auf dieses Gespräch. Herzlich willkommen, Karin Henkel.
00:01:22: Musik]
00:01:27: Hallo, Karin. – Hallo, Greta. – Freut mich. – Freut mich auch, dass du da bist.
00:01:31: Liebe Karin, wir machen zum Anfang ein kleines Spiel. Das heißt „Entweder oder“. Dann nenne ich dir zwei Begriffe und du musst dich schnell entscheiden, welcher Begriff dir näher ist.
00:01:40: Klassiker oder Gegenwartsstück? – Gegenwartsstück.
00:01:44: Große Bühne oder kleiner Raum? – Große Bühne.
00:01:47: Hotel oder Ferienwohnung? – Ferienwohnung.
00:01:50: Text oder Bild? – Ach, das ist schwer. Nicht voneinander zu trennen. Bild.
00:01:58: Zug oder Auto? – Zug.
00:02:01: Chaos oder Struktur? – Chaos.
00:02:04: Morgenprobe oder Abendprobe? – Gibt nur noch Morgenproben. [Kurzer Einwurf im Ausgangstranskript unklar.] Ja, oder? Also, ich mag lieber Abendprobe.
00:02:14: Heimat oder Aufbruch? – Im Moment Heimat.
00:02:19: Intuition oder Analyse? – Analyse.
00:02:23: Berlin oder Provinz? – Berlin.
00:02:27: Shakespeare oder Tschechow? [Antwort im Ausgangstranskript nicht eindeutig; die Frage ist mehrfach wiederholt.]
00:02:32: Das war’s.
00:02:33: Am interessantesten ist, dass ich Gegenwartsliteratur gesagt habe. Weil ich meine natürlich immer Klassiker. Ich habe in meiner Vergangenheit zumindest ziemlich viel klassische Literatur inszeniert. Dass ich als Erstes Gegenwartsliteratur gesagt habe, ist interessant. Weil das Gras immer da grüner ist, wo man nicht ist. Vielleicht ist das dann eher eine Sehnsucht oder vielleicht Next Step oder so. Aber eigentlich habe ich natürlich wirklich sehr viel mehr klassische Literatur bisher inszeniert. Shakespeare und Tschechow zum Beispiel sehr viel.
00:03:10: Oder Kleist? – Oder Kleist, auch Kleist. – Kommen wir vielleicht auch noch zu. Mal gucken. – Sehr gerne.
00:03:14: Ich bin bei der Vorbereitung auf einen Spiegel-Artikel aus dem Jahr 2010 gestoßen. – Den kenne ich nicht. – Der ist auch gar nicht speziell über dich. Der bezieht sich nämlich auf eine Ausstellung im Deutschen Theatermuseum in München. Und diese Ausstellung hat sich mit verschiedenen Generationen von Regisseurinnen beschäftigt: die Pionierinnen, die Durchsetzerinnen und dann die Generationen, die den Beruf für viele Frauen überhaupt einigermaßen selbstverständlich gemacht haben. Aber auch noch mal: Darüber diskutieren wir, ob das dann wirklich so ist. Weil zu dieser Generation gehörst nach dieser Ausstellung du auch. Fühlt sich das für dich so an oder denkt man über solche Kategorien im Arbeitsalltag eigentlich gar nicht nach?
00:03:54: Doch, ich denke darüber nach. Also, weil das Thema Frauen am Theater ja Gott sei Dank immer mehr diskutiert wird, denke ich darüber schon sehr viel nach. Ich habe zum Beispiel eben gerade einer Freundin erzählt, dass ich mit dir jetzt dieses Podcastgespräch führe. Dann habe ich so ein bisschen probiert zu beschreiben, wer du bist, und habe dann gesagt: Du bist sehr viel jünger als ich und gehst jetzt deine kommende Intendanz so locker und freudig an, habe ich das Gefühl, wenn ich mit dir spreche.
00:04:23: Und dann habe ich darüber nachgedacht, dass bei mir wirklich oft Theater und die Arbeit – das ist jetzt ein schreckliches Wort, was ich dazu sage – ganz viel mit Druck auch zu tun hatte. Damit meine ich nicht nur Leistungsdruck, sondern Druck, überhaupt das zu schaffen. Druck, ja, als doch in meiner Generation, wie du eben schon gesagt hast, eine der wenigen Frauen, die an größeren Bühnen kontinuierlich gearbeitet haben, diesen Stand zu halten, sich zu wehren, wenn dann doch auch eine harsche Kritik nur wegen des Geschlechts manchmal kommt und so.
00:05:06: Also denke ich darüber viel nach, dass das jetzt Gott sei Dank sich zum Positiven ein bisschen geändert hat. Dass es selbstverständlicher ist, dass Frauen in diesen Positionen sind, als Regisseurinnen oder sogar wie du eine Intendanz übernehmen.
00:05:21: Den Druck spüre ich schon, aber freudig stimmt auf jeden Fall. Ich glaube, das muss ich an der Stelle ergänzen. Und ja, ich denke, es hat sich sicherlich was getan für Frauen meiner Generation. Ich würde aber jetzt vielleicht gar nicht sagen: „Oh ja, es ist schon alles gemacht.“ Man hat trotzdem in den Spielplänen nicht überall Parität. Ich kenne das selber aus der Spielplangestaltung, dass man irgendwie schon den halben Spielplan voll hat und sagt: „Und jetzt brauchen wir aber noch Frauen.“ Und das dann irgendwie noch so mit Zwang fast macht.
00:05:52: Wie findest du denn die Frauenquote, speziell Theatertreffen? Weil die wird ja jetzt abgeschafft. Findest du das gut? Oder was hast du da für eine spezifische …?
00:06:04: Ich finde es zu früh. Ich finde es auch zu früh, die Verantwortung an die Theater zurückzugeben. Was ich auch richtig finde: Ich finde natürlich das Argument von Nora Hertlein-Hull richtig, zu sagen, ja, aber die Theater können ja irgendwie ihre Quoten machen und dann haben wir mehr Auswahl, auch Frauen einzuladen. Finde ich erst mal vom Gedanken total logisch und richtig. Aber ich glaube, den Druck auf die Theater aufrechtzuerhalten, die eben dann doch noch von viel mehr Männern geführt werden als von Frauen, das fände ich schon noch mal ein paar Jahre gut. Also, da fand ich die Einführung richtig und fände es auch richtig, die noch ein paar Jahre zu halten. Aber wie siehst du das?
00:06:40: Ich finde die Frauenquote erst mal beim Theatertreffen tatsächlich sehr gut. Also, einfach auf einen Missstand aufmerksam zu machen, den es über Jahre gab. Und wenn man sich so die Theatertreffen-Chroniken anguckt, wirklich sehr, sehr wenig Frauen da waren, was schändlich ist. Und deswegen fand ich das erst mal auch gut.
00:07:02: Und ich denke jetzt einfach, die Jury, die das jetzt abschaffen will, die wird auf jeden Fall die nächsten zwei Jahre über 50 Prozent Frauen einladen, damit ja nicht die Kritik kommt, dass diese Frauenquote abgeschafft worden ist und jetzt kommen wieder nur mehr Männer. Insofern denke ich, wird sich das in den Köpfen so festgesetzt haben, dass es eh schon quasi ein Muss ist, dass man mindestens 50 Prozent Frauen auch einlädt. So denke ich oder hoffe ich auch, dass das passiert.
00:07:34: Ja, also dieses Vertrauen habe ich auch, das gebe ich zu.
00:07:38: Ja, Karin, eine der Pionierinnen, die auch in dem vorher erwähnten Spiegel-Artikel vorkamen, Annegret Ritzel, hat auch im Rahmen dieser Theaterfrauen-Ausstellung am Deutschen Theatermuseum einen Satz gesagt, der mich total, wirklich nachhaltig beschäftigt und auch ein bisschen erschüttert hat. Da möchte ich deine Meinung gerne hören. Der Satz geht so: „Je weniger wichtig Kultur wird, umso mehr Frauen dürfen sie machen.“ Also das, was an oberster Stelle steht, da sind die Frauen noch nicht vorhanden. Kultur im Sinkflug, deshalb ist das auch okay, dass man ein paar Frauen ranlässt.
00:08:12: Und das hat sie aber als Kritik geäußert? – Das hat sie als Kritik geäußert. Es schwingt halt keine Hoffnung wirklich mit. Mir wurde auch gesagt nach meiner Wahl in Ulm: „Na ja, war ja klar, dass das jetzt eine Frau wird.“
00:08:24: Das ist immer so mit der Quote. Das hat irgendwie zwei Seiten. Dass man es dann nicht wirklich ernst nimmt, die Einladung oder eben so eine [Wortlaut unklar]. Dann wird gesagt: „Da müssen wir ja jetzt eine Frau nehmen.“ Und ich glaube sogar, dass das eine Rolle spielt, aber ich finde das auch gut. Ich finde es auch gut, dass man sich jetzt dann auch die Bewerbungen von Frauen anguckt oder die Stücke von Frauen.
00:08:49: Ich finde das auch gut. Das zwingt die Leute, Bewerbungen von Frauen oder eben Inszenierungen von Frauen halt ernst zu nehmen. Da bin ich schon immer noch froh. Aber was löst denn dieser Satz von Annegret Ritzel bei dir aus? Also, ist es Bitterkeit oder denkst du, da steckt auch Wahrheit drin?
00:09:04: Ich habe ja tatsächlich bei Annegret Ritzel assistiert in Wiesbaden. Also, ich kenne sie. Ich habe angefangen in Wiesbaden als Regieassistentin, Staatstheater Wiesbaden, und da war Annegret Ritzel Schauspieldirektorin. Und das war ganz klar, diese Sparte wurde schon ganz klar von einer Frau geleitet. Das hat man gemerkt.
00:09:26: Aber ich habe darüber so noch nicht nachgedacht. Eigentlich denke ich: Wenn Kultur unwichtiger wird, dann dürfen Frauen es machen – wird Kultur unwichtiger?
00:09:36: In Zeiten von Sparmaßnahmen könnte man das so deuten. Man ist auch die erste Branche, die gekürzt wird. Wir wurden bei der Corona-Pandemie, Theater, mit Bordellen in einem Atemzug genannt. Ich weiß es nicht. Es beschäftigt mich. Ich habe aber noch keine endgültige Antwort.
00:09:49: Ich glaube, es ist einfach ein Wandel in der Zeit, dass jetzt Frauen auch in anderen Sparten oder Berufen einfach mehr in den Vordergrund treten dürfen. Also, das betrifft ja nicht nur die Kultur. Es gibt ja auch andere Bereiche, da ist das ja ebenso. Insofern würde ich das doch jetzt probieren, eher als positive Stoßrichtung zu beschreiben. Und nicht dadurch, dass es weniger relevant wird oder weniger wichtig wird oder weniger Geld gibt, dass dann Frauen randürfen, weil das Risiko nicht mehr so groß ist, dass man einen [Wortlaut unklar] verspielt. Das habe ich zumindest nicht so gesehen.
00:10:35: Ich habe das eher über die Jahre, dass Gott sei Dank auch viel Kritik geäußert wurde und das Augenmerk darauf gelenkt wurde, dass es jetzt wirklich an der Zeit war. Es ist einfach unabdingbar, dass wir erleben und dürfen es auch sehen, dass Frauen da mindestens genauso begabt sind.
00:10:59: Mindestens. Mindestens.
00:11:02: Du hast ja deine Karriere in einer Zeit begonnen, in der Regisseurinnen schon längst sichtbarer waren als zum Beispiel Annegret Ritzel in ihrer Generation. Aber ihr wart ja trotzdem weniger, als jetzt heute auf den Bühnen unterwegs sind. Hattest du trotzdem, also auch wenn da schon irgendwie viel passiert ist, eben durch die Pionierinnen wie Annegret Ritzel, das Gefühl, dich als Frau besonders behaupten zu müssen? Und wenn ja, wie bist du damit dann umgegangen?
00:11:30: Ich hatte das Gefühl, ja. Ich finde das ganz kurios, wenn ich über die Zeit nachdenke. Ich habe das aber auch, weil ich es nicht anders kannte, fast als selbstverständlich gesehen, dass ich als Frau ein bisschen besser sein muss. Ich mich ein bisschen mehr beschäftigen muss mit den Sachen, ein bisschen mutiger, et cetera. Und auch wirklich, dass ich mich mehr anstrengen muss. Das war für mich fast schon gegeben. Finde ich ganz schrecklich, dass ich das sagen muss. Aber das war so. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, finde ich das blamabel geradezu.
00:12:07: Du hast das eben gerade gesagt, in meiner Generation gibt es wirklich auch großartige Regisseurinnen. Aber verhältnismäßig natürlich würde ich denken, waren wir 20 Prozent. Das ist nicht viel. Da waren schon die Männer absolut in der Überzahl. Ich habe am Burgtheater anfangen können zu inszenieren und da war das ein absolutes Novum. Dass überhaupt, ich glaube, Ruth Berghaus hat da inszeniert und bestimmt noch andere selbstverständlich. Aber sehr viel mehr fallen mir jetzt gar nicht ein, die da kontinuierlich oder auch auf der großen Bühne, Frauen, die auf der großen Bühne inszeniert haben. Insofern, ja, ich hatte das Gefühl, ich muss mich mehr durchsetzen.
00:12:57: Vielleicht hat das damit zu tun, was ich eben gesagt habe, dass ich immer so einen Druck auch verspürt habe, den ich überhaupt nicht produktiv fand. Vielleicht war er manchmal sogar auch produktiv. Also, ich kann das jetzt gar nicht sagen. Das hat ja beides wahrscheinlich, so ein Druck, dass man denkt: „Oh, es ist nicht gut genug oder es reicht immer noch nicht. Es gefällt mir immer noch nicht und es könnte noch besser sein.“ Das hat ja auch zwei Seiten. Das ist manchmal das, was es auch sehr produktiv macht und dass die Suche weitergeht und wir wirklich alles ausloten, was den Stoff betreffen könnte. Und andererseits ist es natürlich auch enervierend, wenn es nie ein Ende nimmt und bis zur Premiere ich als Regisseurin oftmals denke: Das hätte man doch besser machen können.
00:13:44: Ich komme noch mal auf diesen Wegbereiterinnenstatus zurück, weil ich frage mich ja eben, ich habe vorher gesagt, es gab diese Ausstellung schon vor 16 Jahren über die Wegbereiterinnen in der Regie in der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Wie fühlt sich das an, wenn man weiß, man ist Wegbereiterin und irgendwie auch eben schon jetzt Teil einer Theatergeschichte?
00:14:05: Der Wechsel zwischen noch ganz jung, Newcomerin zu sein und jetzt schon eigentlich zu der älteren Generation, die eben, wie du sagst, auch schon eventuell als Frauen Geschichte geschrieben haben am Theater, der ging rasant schnell bei mir. Also, ich habe wirklich noch bis Mitte, Ende 40, war es immer noch neu, dass man als Frau an den größeren Theatern arbeiten durfte. Und überhaupt auch dieses Älterwerden dann auf einmal, damit hadere ich natürlich. Aber damit hadere ich hauptsächlich als Mensch, was da alles so auf einen zukommt mit: Hier tut es weh und da tut es weh und Wechseljahre und all so was und nicht mehr ganz so mobil sein und et cetera.
00:14:55: Aber ja, doch, manchmal denke ich jetzt schon darüber nach, dass das eine Position ist, wo ich jetzt schon in einem Alter bin, wo ich auch gut Sachen weitergeben könnte. Also, wo ich sage, ich habe dann doch, wenn ich es alles mal sammle in meinem Kopf und in meinem Herzen, was ich erlebt habe, was ich irgendwie gelernt habe, denke ich schon, dass ich jetzt in einem Alter bin, dass ich gerne auch Assistierenden oder Studierenden die Dinge aus meiner Perspektive erzählen könnte oder eventuell auch etwas beibringen könnte, was für den Beruf wichtig meiner Meinung nach ist. Das ist ja auch unterschiedlich, glaube ich. Also, der ist ja so individuell, unser Beruf, Regie zu machen. Da ist ja gar keine Formel. Aber ich hatte doch schon: Könnte man eigentlich … Das ist auch schön, dass ich auch Sachen einfach weitergeben könnte.
00:16:02: Gut, also ich habe in dem vorhergehenden Jahrhundert angefangen, Regie zu führen. [Kurzer Anschluss im Ausgangstranskript unklar.]
00:16:10: Genau. Das ist tatsächlich, was ich jetzt … Dass ich gefragt hätte, ob man jemals aufhört, Wegbereiterin zu sein. Oder ob quasi eigentlich jede Generation die Tür, die immer … noch mal ein Stück weiter aufstoßen muss. Und wenn ja: Du bist Wegbereiterin allein quasi dadurch, dass du den Beruf jetzt schon so früh gemacht hast, wo du sagst, erst 20 Prozent der Frauen es geschafft haben.
00:16:35: Geschafft haben, vielleicht auch schon gedurft, dass ich dich da korrigiere, aber vielleicht auch zugelassen wurden. Also, ich glaube, da gab es bestimmt viele … [Passage im Ausgangstranskript lückenhaft.] Noch nicht so viel Rücksicht darauf genommen. Insofern gab es bestimmt viele angehende Regisseurinnen, die dann auf dem Weg vielleicht gedacht haben, ob ich mir doch lieber einen anderen Job am Theater oder auch ganz woanders … weil Familie und Theater zu den damaligen Zeiten noch nicht so vereinbar war, wie es hoffentlich jetzt ist.
00:17:11: Whisper-Wiederholungsschleife bis 17:44: „Das ist ein Problem“. Tatsächlichen Wortlaut anhand des Audios prüfen.]
00:17:32: Das meinte ich mit „geschafft“. Du hast recht, das klingt so, als hätte man selber alles in der Hand. Und das hat man ja sicher nicht. Und als hätte das nur damit zu tun: Wenn du dich ordentlich nach der Decke streckst, dann reicht’s. – Das stimmt. – Da spielen die äußeren Bedingungen doch auch eine große Rolle.
00:17:46: Du hast gerade vorher gesagt, du struggelst mit deinem Älterwerden. Du bist ja auch quasi permanent unterwegs. Ist das was, wo du sagst, das fällt dir jetzt auch zunehmend schwerer?
00:17:57: Auf jeden Fall. Also, wenn ich das vergleiche: Mit Mitte 20 habe ich angefangen, Regie zu machen und loszuziehen mit dem Köfferchen von Stadt zu Stadt. Ich bin freischaffende Regisseurin. Sprich, ich war nie wirklich fest an einem Haus engagiert. Also, wirklich heißt, ich hatte schon Gott sei Dank kontinuierliche Arbeitsbeziehungen, wo wir uns darauf geeinigt haben, dass ich quasi jedes Jahr oder so an einem bestimmten Theater arbeiten werde, aber mehr auch nicht.
00:18:34: Meine Heimatstadt, wo ich jetzt seit, ich glaube, ’99 lebe, ist Berlin. Und ich habe relativ wenig in Berlin eigentlich gearbeitet, leider. Das heißt, ich bin ständig unterwegs.
00:18:49: Berliner Theater, wenn ihr zuhört, reagiert! – Und relativ wenig. Und dieses ständig Unterwegssein, wie gesagt, ich wollte den Vergleich machen: Als ich jung war, hat mir das Spaß gemacht. Das war irgendwie was von Freiheit, Energie und ich brauche auch gar nicht mehr als einen Koffer und dann nur die Kunst und mein Team um mich herum und die Spielenden und dann rocken wir es schon. Und jetzt finde ich es doch immer mehr eine Herausforderung, immer wieder in einer neuen Stadt anzukommen.
00:19:22: Da spielt dann so was eben eine Rolle: Ich habe den Arzt nicht um die Ecke, wo ich sonst immer hingehe, die Frauenärztin oder alle Kontrollen, die man eigentlich …
00:19:29: … machen muss, probiere ich, in die Zeit zu legen, wo ich in Berlin bin. Da ist mein Terminkalender immer voll von Arztbesuchen oder was man sonst alles da noch regeln muss. Weil das dann doch mühsamer ist. Natürlich gibt’s Ärzte, aber es ist mühsamer, in fremden Städten Termine zu kriegen und seine ganze Geschichte überall noch mal zu erklären. Das finde ich belastend. Auch so was jetzt wie Yogakurse oder so. Man ist da sehr auf sich alleine angewiesen in so einer Gästewohnung.
00:19:56: Wenn es Gästewohnungen gibt. – Genau, manchmal muss man sich auch selber eine besorgen. Das ist dann auch zeitaufwendig. Und die sind natürlich jetzt auch nicht immer die besten, will ich jetzt auch noch mal sagen. Also, das ist schon toll, dass die Theater, die Gästewohnungen haben, sich darum kümmern. Und da gibt es auch einige Häuser, die sind da vorbildlich. Aber andere auch, ja, das ist dann eben mit 50: Auf jeder durchgelegenen Matratze meldet sich der Rücken und der Nacken schon auch.
00:20:34: Oder dass ich als Voraussetzung sehe, dass ich eine Waschmaschine habe in einer Gästewohnung. Manchmal ist das ein Streit darüber, dass ich jetzt nicht zwischen den Proben in einen Waschsalon gehen muss. Nicht, weil ich jetzt Waschsalons so gruselig finde, sondern weil die Zeit und der Aufwand, ja, das schränkt dann auch schon ganz schön ein. Also ja, ich finde es anstrengend, immer unterwegs zu sein.
00:21:01: Koffergeschleppe. Meine Wohnung in Berlin hat keinen Fahrstuhl. Das ist immer dieses Koffer … Ich bin jetzt mit dem Kofferservice verbunden schon, weil ich, oh, wie dankbar bin, dass die mir dann den Koffer von da nach da bringen, damit ich auf den Reisen nicht so viel Ballast habe. Ich bin altmodisch, ich reise gerne mit Büchern. Wobei es ja viel online gibt und man das auch haben kann. Ich habe dann die Bücher, wo meine Notizen drinstehen, sprich die Historie.
00:21:28: Und immer wieder neu gucken: Jetzt komme ich hier in dieser Gästewohnung an. Da gibt es ja auch gewisse Sachen in der Küche gar nicht, also dass man da richtig kochen kann. Ich weiß nicht, wie viele Käsereiben … [Kurze Passage im Ausgangstranskript unklar.] Aber mindestens 30 Käsereiben.
00:21:50: Käsereiben und Sparschäler. Ich fand das auch so. Das ist auch ganz viel. – Ja, weil das gibt es nicht in Gästewohnungen anscheinend. Oder Messer, die funktionieren, mit denen man wirklich schneiden kann. Das sind die stumpfsten Messer. Also, das sind jetzt Luxusprobleme. Aber trotzdem wird es für mich jetzt mit dem Älterwerden ein bisschen beschwerlicher tatsächlich. Also, das habe ich früher leichter weggesteckt. Also dieses eben mal eine Nacht lang auch nur fünf Stunden schlafen und trotzdem topfit sein am nächsten Tag und inszenieren. Das ist jetzt nicht mehr so leicht. Also, da freue ich mich, wenn ich gut schlafen kann.
00:22:27: Und wie ist das bei dir? Ich meine, weil du ja auch immer wieder durch dieses Reisen und Vagabundieren: neue Stadt, neues Ensemble, neue Kantine, neu backstage, neuer Regietisch, neu und so weiter. Hast du eine Routine, wo du sagst: Ja, die brauche ich, um überhaupt anzukommen? Oder ist das immer ein Sprung ins kalte Wasser und immer ein Sprung ins Ungewisse?
00:22:48: Erst mal ist es bei mir so, dass ich immer ein paar Tage früher anreise vor Probenbeginn. Das ist mir wichtig. Dann treffe ich mich vor Ort noch mal mit den jeweiligen Dramaturginnen. Wir gehen noch mal die Fassung durch oder bearbeiten. Also, ich bin immer eine Zeit lang, bevor die Proben wirklich losgehen, schon vor Ort. Das ist mir sehr wichtig. Dann kenne ich die Wege besser und habe mich schon mal ein bisschen eingelebt.
00:23:17: Aber sonst so ein richtiges Ritual … Dadurch, dass ich ja öfter an den gleichen Theatern arbeite, kenne ich Gott sei Dank viele Menschen. Also, ich fange auch immer wieder von vorne an, das ist nicht so. Also, es gibt schon auch Theater, wo ich das erste Mal dann dort bin. Und das ist besonders aufregend, weil mit Menschen zusammenzuarbeiten, wo wir schon eine Erfahrung miteinander haben, gibt mir eine große Sicherheit. Die schätze ich eigentlich.
00:23:48: Ich meine, ich glaube, sich die Spielenden und die Regie oder das Team, das braucht dann schon so die ersten zwei Wochen. Ich weiß nicht, wie das bei dir ist. Aber bei mir ist das so: Die ersten zwei Wochen ist das ein Kennenlernen, ist das ein Abtasten. Wie kommuniziert man miteinander? Wie funktioniert der Raum? Das finde ich immer sehr wichtig, für mich zumindest wichtig. Wie albern darf man sein? Wie reagiert dann das Gegenüber darauf? Wie kann man sich überhaupt verständigen in der Arbeit? Das braucht ein Vertrauen und das Vertrauen braucht auch eine gewisse Zeit, um es überhaupt zu erarbeiten.
00:24:29: Und das ist ja vielleicht dann das Gute am Älterwerden, und dann sage ich jetzt gleich das Alter, sondern die Erfahrung: wahrscheinlich auch mehr Kapital als Ballast. Oder würdest du sagen, das hattest du schon immer gleich drauf?
00:24:41: Du, vielleicht war ich sogar früher, dadurch, dass ich quirliger war und vielleicht auch neugieriger – also ich bin immer noch neugierig natürlich –, war ich, glaube ich, sogar mutiger. Manchmal denke ich darüber nach, dass ich, als ich jünger war … Das war immer eine irre Kraftanstrengung und ich habe gesagt, es stand und war auch ein Druck dahinter, den ich mir natürlich hauptsächlich auch selber gemacht habe. Also, das darf man sich nicht so vorstellen, dass die jeweiligen Intendanzen mir den Druck gemacht haben. Der ist eh da. Das wirst du auch kennen. Der ist da, dass man zur richtigen Zeit, sprich wenn der Premierentermin da ist, irgendwie was geschaffen hat miteinander, was vorzeigbar ist. Das ist ja eh schon mal ein Druck. Aber den meisten Druck habe ich mir natürlich selber gemacht.
00:25:25: Und als ich jünger war, bin ich, glaube ich, noch unbekümmerter oder auch forscher rangegangen. Alles oder nichts. Also, so ein bisschen war ich da und hatte auch zu Recht, wie ich finde, kein Problem mit einem Scheitern. Wenn wir was gewagt haben miteinander, wo alle gesagt haben: „Komm, auf den Zug springen wir jetzt. Wir probieren das so.“ Und wenn das dann nicht ganz aufgeht oder sogar in die Hose geht, das geht ja auch, dann schmerzt das in dem Moment. Aber im Nachhinein ist es bereichernd.
00:26:00: Und diese Unbekümmertheit zu sagen: „Ach, wenn’s nichts wird, wird’s nichts. Da ist die nächste Chance und da habe ich aber was draus gelernt.“ Das ist natürlich auch im Alter ein bisschen anders, was eigentlich komisch ist. Wenn ich mich jetzt reden höre, finde ich das eigentlich schrecklich. Aber ich denke, ich bin doch genauso nicht wissend, wie ich früher war in einer gewissen Hinsicht, weil Theater ja so ein Zusammenspiel zwischen den Menschen, die beteiligt sind, ist. Egal, wie gut vorbereitet ich bin oder wie sicher ich mich fühlen könnte, eine Arbeit zu beginnen: Die Reise, die wir dann gemeinsam angehen, kann unglaubliche Abwege finden und ganz woanders landen. Also, in der Hand hat man es ja nie.
00:26:47: Das stimmt. Du hast vorhin gesagt, du gehst immer ein paar Tage früher in die jeweilige Stadt, um dich ein bisschen zu orientieren. Und dann hast du auch noch gesagt, dass du dich quasi immer während der Probenzeit erst mal alles wie ein Schwamm, also dass du dich vollsaugst mit den Themen, die gerade dann die Inszenierung auch betreffen. Kannst du überhaupt noch in einer Stadt, in der du dann bist, sagen wir in Wien, in ein Café gehen, ohne sofort dich vollzusaugen mit Stoffen und Themen? Kannst du noch als Mensch in ein Café gehen?
00:27:07: Bis 8:02 enthält das Ausgangstranskript eine beschädigte Wiederholung dieser Frage; keine zusätzliche Aussage sicher rekonstruierbar.]
00:27:31: Das kann ich. [Satzanschluss im Ausgangstranskript lückenhaft.] Claus Peymann hat mir Inszenierungen gegeben, die ich als Regisseurin zu verantworten hatte. Und deswegen ist die Stadt Wien für mich besonders wichtig. Also auch für meine Laufbahn. Wenn ich so das Burgtheater jetzt 30 Jahre später betrete, riecht immer noch alles, wie es damals war, und ich erinnere mich sehr an meine Anfänge. Und Wien, eine Stadt, die ich absolut liebe, ist eine Stadt, wo ich mich nicht nur auf Theater konzentriere.
00:28:02: Während in anderen, die vielleicht nicht so viel anbieten oder vielleicht auch nicht so aufregend sind, wie Wien sein kann, da ist das viel mehr so, dass ich: Ja gut, da habe ich jetzt auch nur das Theater. Und dann kapriziere ich mich auch darauf und sehe vielleicht auch alles durch die Brille. Aber selbstverständlich ist das so, ich glaube, worauf du auch hinauswillst, dass, wenn wir uns als Regisseurinnen mit Themen beschäftigen, die allgegenwärtig sind. Das ist schon so, dass ich viele Gespräche dann auch in die Richtung führe oder Bücher lese oder Filme gucke, in Ausstellungen gehe und die Sachen dann vielleicht auch ein bisschen in die Richtung lenke, die mich gerade beschäftigt. Aber ich glaube, das macht jeder Mensch, der auch gerade privat in irgendeiner bestimmten Phase ist, wenn ich das so sagen darf, dass die Welt dann durch diese Brille angeschaut wird. Das mache ich schon.
00:28:55: Und wenn du sagst, Wien ist ein besonderer Ort für dich, reist du dann auch, wenn du nach Wien reisen musst, auch wenn es beschwerlich ist, auch eher irgendwie noch mal nach Hause? Fällt dir das leichter, in Wien zu inszenieren und dorthin zu reisen?
00:29:08: Fällt mir vielleicht … Das liegt daran, dass ich da sehr viele Freunde noch von der Zeit von damals habe. Sprich, das sind gewachsene Freundschaften, die entstanden sind, als ich Assistentin war. Auch Theaterfreundschaften. Und dadurch habe ich da immer ein Stück Heimat, über die Menschen noch viel mehr als über die Stadt. In Hamburg habe ich das auch ein bisschen. Da bin ich ja auch sehr gerne. Nur ist Hamburg auch nah an Berlin. Ich kann locker am Wochenende nach Hause fahren. Aber in Hamburg habe ich auch meine Familie und auch Freundschaften noch von damals und in dem Ensemble auch. Da fällt mir das auch leichter.
00:29:52: Mir fällt’s leichter, wenn man weiß, abends kann man auch mal, wenn man probenfrei hat, jemanden anrufen und sagen: Wollen wir zusammen essen gehen oder wollen wir zusammen ins Kino gehen? Das mache ich in anderen Städten, wo ich fremder bin, auch dann mal alleine. Das kann ich inzwischen. Das konnte ich früher nicht. Ich konnte früher nicht alleine essen gehen. Ich habe mich nicht wohlgefühlt und beobachtet gefühlt und kam mir komisch vor. Ich habe mich dann mal so von außen betrachtet und denke: „Was denken die jetzt? Diese einsame Frau, keiner mag sie, deswegen isst sie alleine.“ Was man auch immer selber so denkt, wenn man Leute alleine sieht, so halt.
00:30:28: Ja, aber jetzt ist mir das schon [Wortlaut im Ausgangstranskript unklar]. Wenn man sich’s leistet, dass man, weil man in den Gästewohnungen, wie wir eben schon gesagt haben, nicht so wirklich gut vielleicht ausgestattet ist, um kochen zu können …
00:30:41: Jede Wohnung eine Flasche Öl. – Ja, immer natürlich Öl, Pfeffer, Salz. Ist ja alles nicht vorhanden. Aber das sind dann eben: Nur mit Öl, Pfeffer, Salz kriegen wir auch nicht die besten Gerichte zustande für zwei Monate. – Das ist wohl wahr. Nicht ohne Käsereibe. [Kurzer Anschluss im Ausgangstranskript unklar.]
00:31:00: Also deswegen, ich gehe jetzt auch, das habe ich gelernt. Ich fühle mich da manchmal sogar ganz wohl, dass ich irgendwo alleine sitze. Dann kann ich was lesen oder mich anderweitig beschäftigen und nachdenken. Aber trotzdem ist das in den Städten, wo ich Kontakte habe, sprich auch Freundschaften habe neben dem Theater, abwechslungsreicher.
00:31:21: Das klingt ein bisschen, als hätte man dann auch mal so ein bisschen wie eine Pause im Kopf.
00:31:26: Das ist auch so. Also, wenn ich dann in Hamburg mit meiner Schwester und meinem Neffen und seiner Freundin ausgehe, sind natürlich ganz andere Themen jetzt vorhanden, erst mal. Im Hinterkopf hat man es ja die ganze Zeit, das wirst du auch kennen, wenn man an einer Inszenierung arbeitet. Weil, um noch mal von dem Druck zu sprechen: Bei mir ist das meistens übrigens ein Zeitdruck. Ich habe ganz oft Zeitdruck, der wird auch leider größer, weil die Gelder werden knapper. Leider damit auch die Probenzeiten oftmals, die Bühnenzeiten hauptsächlich.
00:31:55: Also, die Zeiten, wo wir auf der Bühne proben können, die waren früher aufgrund von mehr Schließtagen, die man sich leisten konnte … Das heißt, dass abends eben keine Vorstellung war und man dann einen ganzen Tag auf der Bühne verbringen konnte. Das gibt es ja kaum mehr. Das ist auf jeden Fall wirklich sehr eingeschränkt.
00:32:21: Und dann ist das doch auch mal so, ich kenne das, du wirst das auch kennen: 10:30 bis 13:30, das sind die Bühnenprobenzeiten, die man zur Verfügung hat. Wenn man umfangreichere Stoffe macht, hat man schon Panik, dass man überhaupt auch einen Durchlauf, das ganze Stück, schafft in der Zeit, die einem bei der Probe zur Verfügung steht. Also muss man schon sehr zeiteffizient arbeiten. Mir entspricht das nicht so.
00:32:51: So kann ich das, glaube ich, sagen. Ich gehe gerne Umwege bei Proben, will Sachen auch am liebsten am Ende noch mal ausprobieren, ob es nicht doch noch einen anderen Weg oder noch mal intensiver oder doch noch mal ein bisschen die Szene, den Text auch hier und da ändern. Das braucht natürlich dann Zeit. Dass ich jetzt als Regisseurin nicht alles im Vorfeld schon immer genau wissen muss. Das langweilt mich eigentlich, wenn ich immer nur mit meiner [Passage im Ausgangstranskript lückenhaft] … um eine gemeinsame Sprache zu entwickeln,
00:33:34: wie wir diese Themen jetzt …
00:33:34: … erzählen wollen. Und eben auch, um wirklich scheitern zu dürfen bei den Proben, um Sachen auszusortieren, zu sagen: Das hat gar nicht funktioniert, da müssen wir noch mal dran feilen. Und dann muss man sich auch noch mal einen Abend Zeit nehmen mindestens, um noch mal die Texte zu durchdenken, um noch mal die Szene zu durchdenken, um am nächsten Tag was Neues auszuprobieren. Und das darf dann sogar auch noch mal scheitern, finde ich.
00:33:59: Wenn natürlich der Zeitdruck da ist, kriegen alle schlechte Laune, wenn es scheitert. Und das ist für die Stimmung und für das Ergebnis nicht wohltuend.
00:34:09: Ich habe bei Dieter Dorn mal hospitiert. Der war, glaube ich, drei Monate jeden Vormittag auf der Bühne. Ich dachte auch am Anfang, Theater funktioniert so. Dann wurde ich auch schnell eines Besseren belehrt.
00:34:20: Aber das kennst du auch schon, dass du merkst, schon einen Unterschied von deinen Anfängerjahren zu den jetzigen Bedingungen?
00:34:27: Ja, wir waren auch in Mannheim, als ich Regieassistentin war, waren wir eigentlich ab der TE fast immer auf der Bühne. Da war eher die Ausnahme, dass wir abends noch mal irgendwo eine Vorstellung drin hatten und so. Und es ist jetzt aber auch nicht mehr so. Gerade an den mittleren und kleineren Häusern, dass man zwei Wochen schließt, das ist einfach nicht drin.
00:34:44: Ja, und das ist dadurch, dass die Probebühnen ja oftmals nicht so besonders ausgestattet sind, weder die Maße haben von der Bühne noch Extras wie eine Drehscheibe oder so. Es gibt Probebühnen, die haben das sogar. Aber ich würde denken, der Großteil hat es dann doch nicht. Und dann beschränken sich die Bühnenproben oftmals auf solche technischen Vorgänge: Wie schnell muss die Drehscheibe da sein und wie geht sich das dann aus mit der Lichtstimmung et cetera?
00:35:20: Und das ist halt wirklich schade, dass die letzten Proben nicht für die Kunst … also, das heißt nicht, dass Licht und Drehscheibe nicht auch zur Kunst gehören, aber fürs Spiel noch mal. Weil es ja doch ein großer Unterschied ist, ob man auf der kleinen Probebühne spielt oder im großen Saal, wie man eine Bühne füllt, eben auch die Bilder baut und Auftritte, Abtritte. Muss ja alles organisiert werden. Und da finde ich mich zunehmend … Ich kämpfe immer für gute Bedingungen. Aber ich kämpfe.
00:35:57: Du hast jetzt vorher über Druck gesprochen. Einem Druck gibst du dich ja gar nicht so direkt hin, und das ist der Druck, Interviews geben zu müssen. Das hat mich in unserem Vorgespräch ziemlich beeindruckt, weil ich immer der [Wortlaut unklar] in letzter Zeit, indem ich öfter gefragt werde, ob ich nicht noch mit dem oder der oder jenem Magazin noch ein Interview geben soll. Du bist da ja relativ rigoros, könnte man ja fast sagen. Hat sich das ergeben oder gibt es einen Grund? Gibt es dir vielleicht auch eine Freiheit, dass man sich auch nicht ständig selber erklären muss?
00:36:30: Wenn ich so an meine Anfänge denke, war das auch eine große Scheu, die ich hatte. Ich habe in Probenräumen, da fühle ich mich sicher. Das ist ein geschützter Raum. Aber das Endergebnis spricht ja dann für sich. Ich dachte, alles, was ich dazu sage, macht es kleiner, macht es uninteressanter. Und am wenigsten geht es ja wirklich um mich bei so einer Aufführung. Es sind die Themen und die Künstlerinnen dann wichtig, die auf der Bühne stehen. Ich habe das nicht für wichtig erachtet und bin davor auch ein bisschen weggelaufen.
00:37:04: Weil ich immer das Gefühl hatte: Das genügt auch nicht, was ich dazu zu sagen habe in einem Interview. Weil in den jeweiligen Proben haben wir natürlich über Wochen Zeit. Also, da kann ich sehr viel komplexer über Dinge reden als komprimiert in so einem Interview. Und dann geht es mir aber auch so, dass ich oftmals, wenn ich Interviews von Regisseurinnen und Regisseuren lese, ich langweile mich manchmal. Erklär es mir doch nicht. Und alle sagen das Gleiche irgendwie, ich ja auch. Das ist jetzt keine Kritik, ich habe es auch nicht geschafft, irgendwas Interessanteres … Ich fand es auch nie so prickelnd, dass ich gedacht habe, ich muss mich dazu äußern. Ich habe mich gedrückt, das zu tun, weil ich es aber auch nicht so gerne mache.
00:37:49: Mir fehlt dann in Interviews oftmals die Lockerheit oder der Humor oder auch die Komplexität, wenn ich das auch sagen darf. Ja, ich fühle mich da nie wohl und fühle mich da auch weiter nicht wohl. Und bisher hat es mir nicht geschadet. Deswegen denke ich: Warum sollte ich dann jetzt unbedingt damit anfangen? Also, ich fange jetzt mit dir hier gerade an.
00:38:15: Aber das ist ein Gespräch und kein Interview. – Genau, das ist was völlig anderes. Ja, aber es ist wirklich so, wenn du mit Journalistinnen … Da entsteht selten ein wirkliches Gespräch. Also, gute Journalistinnen machen das schon auch. Aber es ist dann doch eher so ein Frage-Antwort-Spiel und bezieht sich dann sehr auf die nächste Arbeit, die man absolviert.
00:38:39: Würdest du auch sagen, dadurch, dass du dich dem Interview da so entziehst? Mich fasziniert das, ich sage dir ganz ehrlich, ich finde das ja total toll. Weil ich eben auch jetzt in jüngster Zeit so viele Interviews gegeben habe und mich selber eben auch so langweile. Nicht, weil die Interviewenden nicht irgendwie toll oder klug gefragt hätten, sondern weil ich auch immer das Gleiche, aber auch nichts, wie ich finde, besonders Inspirierendes, Neues sagen kann als in jedem anderen Interview mit kommenden Intendanten. Es ist so repetitiv und dadurch wird es dann auch redundant und obsolet auf eine gewisse Art und Weise. Aber man macht das ja auch, um etwas zu bewerben oder zu vermitteln.
00:39:18: Aber wenn du das gar nicht gibst, wem gehört denn, in Anführungsstrichen, so die Produktion dann? Gehört sie dann den Kritiken oder dem Ensemble oder gehört die Produktion dann eben nur dir selbst? Das ist so was, was mich da so fasziniert. Du gibst deine Inszenierung dadurch, dass du sie nicht erklärst, auch irgendwo oder beschreibst, gibst du sie ja so frei. Und das finde ich so spannend, weil das macht für mich ja auch Theater so aus, weil das eh alles so flüchtig ist. Dadurch, dass du es nicht erklärst, lässt du diese Transitorik so, finde ich, noch mehr zu.
00:39:48: Die meisten von uns Regisseurinnen gehen ja dann davon aus, dass wir selber ein Anteil einer Gesellschaft sind. Ganz simpel: Wenn mich eine Sache betrifft und umtreibt, glaube ich, dass ich viele Menschen finde, denen es genauso geht. Insofern denke ich nicht, dass ich jetzt total am Zeitgeist oder so was vorbeiarbeite.
00:40:14: Was es zu meiner Zeit, als ich angefangen habe, noch nicht gab, sind diese Vorgespräche, Einführungen bei Aufführungen. Die gibt es ja jetzt immer mehr. Ich finde die gut. Ich merke den Unterschied, wenn ich auch selbst, wenn ich mir das anhöre, wenn ich so ein bisschen gebrieft bin, gucke ich natürlich anders auf eine Aufführung und habe nicht mehr ganz viele Fragezeichen, vielleicht die störend sind. Fragezeichen sind ja oft sehr gut. Ich muss auch ein Werk nicht ganz durchdringen als Zuschauerin. Es muss mich intellektuell und sinnlich ansprechen, das reicht vollkommen. Und emotional natürlich.
00:40:55: Aber trotzdem finde ich das oft hilfreich, im Vorfeld bei diesen [Bezeichnung im Ausgangstranskript unklar] zu hören, was die Gruppe, die das gemeinsam auf die Bühne gestellt hat, was so ein Hauptanliegen war. Oder wie man zum Beispiel Romane adaptiert: Wir haben uns da und darauf konzentriert. Dann wissen die Zuschauenden schon, das fällt also weg. Also bin ich nicht enttäuscht dann währenddessen und warte immer auf was, weil ich vorher schon weiß, bei dem Roman geht es jetzt hauptsächlich um den Strang. Weil die Erwartungen der Zuschauenden, die sind ja bei klassischen Stoffen oder bei Romanen so vielfältig groß.
00:41:39: Und das können wir gar nicht bewerkstelligen, von der Zeit allein, die so eine Aufführung dauert. Auch wenn sie mal länger als vier Stunden ist, eine Aufführung, aber das ist ja im seltensten Fall so. Die Erwartungen, dass die nicht enttäuscht werden, das ist ja wirklich ein großes Anliegen. Insofern finde ich diese Einführungen oftmals sehr hilfreich, dass die Zuschauenden sich auf irgendwas schon mal vorher einstellen können. Ich kann ja nicht davon ausgehen, dass jeder dann ein Interview liest, was die Regisseurin dazu gegeben hat. Zu den Produktionen natürlich gibt es da Vorabpresse oftmals, aber das haben wir zu meinen Produktionen oft auch die Spielenden dann gemacht.
00:42:25: Liest du eigentlich Kritiken oder die auch nicht?
00:42:28: Da gibt es mehrere Phasen jetzt schon in meinem Berufsleben. Ich habe irgendwann mal aufgehört, Kritiken zu lesen. Da war das aber auch einfacher, weil man musste sie sich kaufen, die Kritiken am Zeitungskiosk. Und dadurch, dass ich dann doch … [Satzanschluss im Ausgangstranskript unklar.] Auch geärgert habe, weil natürlich über Verrisse, die ich sehr wohl bekommen habe.
00:42:54: Einer meiner schönsten Verrisse war übrigens von Herrn Stadelmaier. Da war ich 25 oder 26 und habe „Kabale und Liebe“ am Burgtheater inszeniert. Ich glaube auch, ich war überfordert. Also, die Aufführung wird bestimmt nicht bis ins letzte Detail ausgelotet gewesen sein. Sprich, es ist mir wahrscheinlich auch vieles misslungen. Und die Überschrift von Herrn Stadelmaier lautete: „Wien ist nichts für kleine Mädchen.“
00:43:20: Oh, wow. [Kurzer Wortwechsel über Alter beziehungsweise Körpergröße im Ausgangstranskript nicht verlässlich rekonstruierbar.]
00:43:26: Er schrieb: „Wien ist nichts für kleine Mädchen.“ Das kleine Mädchen war ich. [Kurzer Anschluss im Ausgangstranskript unklar.] Darüber konnte ich mich erst empören, aber dann auch lachen, weil es so unverschämt war.
00:43:39: Natürlich beschäftigen mich Verrisse und ärgern mich auch, weil sie manchmal sind sie ja auch zu Unrecht. Manchmal treffen sie vielleicht auch einen Punkt, den man selber weiß, und dann steht es dann noch mal schwarz auf weiß. Es hat man jetzt gar nicht nötig, das auch noch durchzulesen, weil man wund ist, noch nach so einer Aufführung.
00:43:59: Aber heute mache ich das so, weil man ja doch viele Kritiken online lesen kann: Ich fange an, sie zu lesen, und wenn sie ganz negativ werden, klappe ich sie zu und denke: Habe ich ja jetzt kapiert, die ist schlecht. Und mehr brauche ich auch nicht wissen, sie ist schlecht.
00:44:17: Und letztlich eine Einzelmeinung, das muss man auch immer mitdenken.
00:44:22: Und dann ist es mir schon wichtiger, was das Publikum oder jetzt auch entsprechende Leute sagen, die ich kenne, die reingehen. So Freunde, Freundinnen, aber auch Theaterschaffende, die ich kenne, das ist mir dann schon wichtig und da höre ich auch sehr genau hin. Und meistens weiß ich selber, was ich geschafft und was ich auch nicht geschafft habe. Nach der Generalprobe spätestens, wo man noch mal alle Kräfte mobilisiert: Das war es jetzt. Und dann hofft man, dass sich noch was weiterentwickelt, was auf der Strecke geblieben ist oder was man auch nicht geschafft hat oder wo man vielleicht gemogelt hat, ein bisschen, oder andere Erwartungen an sich selber hatte und an die Themen hatte. Ich glaube, ich bin da schon meine schärfste Kritikerin, auf jeden Fall. Ich genüge mir eigentlich in der Arbeit leider nie.
00:45:17: Liebe Karin, bevor ich dir jetzt wirklich die letzte Frage stelle, nämlich eine Inszenierung, die du empfehlen kannst, spielen wir noch ein letztes Spiel. Das heißt „Klischee oder Wahrheit“. Da konfrontiere ich dich jetzt mit einer These und du sagst mir, ob das Klischee oder Wahrheit ist.
00:45:32: Regie bedeutet Macht. – Das ist ein Klischee, also keine Wahrheit.
00:45:37: Mhm.
00:45:38: Gute Regisseurinnen zweifeln ständig. – Ist leider eine Wahrheit.
00:45:44: Frauen müssen sich ihre Autorität anders erarbeiten als Männer.
00:45:49: Ich soll nur einsilbig antworten? – Nein, du kannst auch mehrsilbig antworten.
00:45:54: Ich habe eben davon gesprochen, dass das bei mir so war, als ich angefangen habe. Also würde ich sagen, das war bei mir eine Wahrheit. Aber „erarbeiten“ ist auch so ein mühsames Wort, ne? Das hört sich so nach Bergsteigen an und Schwitzen und Muskeln.
00:46:12: Sobald man Vertrauen schafft, hat man vielleicht auch eine Autorität. Ein Ensemble ist wichtiger als ein Konzept?
00:46:21: Ist eine Wahrheit. – Die spannendsten Proben beginnen erst, wenn der Plan scheitert.
00:46:28: Ja, ist für mich auch eine Wahrheit. Ich scheitere manchmal auf Proben gerne. – Und die letzte: Theater ist immer auch Selbstporträt.
00:46:35: Ich habe ja eben gesagt, ich erzähle ja gar nicht so gerne von mir. Und ich komme mir auch in meinen Inszenierungen nicht vor, dass ich sage: Das ist jetzt eine Figur, die, so würde ich auch … Aber selbstverständlich, die Themen, für die ich mich entscheide oder sich die Beteiligten entscheiden, erzählt natürlich viel über den Menschen auch.
00:46:59: Dann, wenn wir doch noch eine Inszenierung, die du empfehlen würdest?
00:47:06: Eine Inszenierung, die ich empfehlen würde? Also bei den Wiener Festwochen von der Carolina Bianchi, wo sie selber die K.-o.-Tropfen während der Performance zu sich nimmt. Die hat jetzt eine Trilogie gemacht. Das war der erste Abend. Carolina Bianchi hat mich sehr beschäftigt.
00:47:28: „The Bride and the Goodnight Cinderella“.
00:47:31: Wortlaut unklar] im HAU in Berlin.
00:47:34: Sie hat sehr tolle Texte geschrieben. Also, das war für das Thema wahnsinnig aufschlussreich und sehr brutal. Dadurch hat es mich richtig verstört. Und das finde ich immer bereichernd, wenn ich mit einem Gefühl, was ich nicht gut unter Kontrolle habe, dann aus dem Theater gehe. In alle Richtungen, in die Richtung von Trauer, in die Richtung von Humor.
00:48:01: Themen wie Femizid, das hat mich sehr beschäftigt. – Liebe Karin, vielen Dank, dass du in meinem Podcast warst. – Ich danke dir auch und bis bald. – Bis ganz bald.
00:48:07: Theaterfrauen. Ein Podcast mit Greta Călinescu.
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