Midlife auf der Bühne: Haben Frauen im Theater ein Verfallsdatum? Mit Meike Droste und Sabine Auf der Heyde

Shownotes

In dieser Folge von Theaterfrauen spricht Greta Călinescu mit Meike Droste und Sabine Auf der Heyde über Frauen in der Lebensmitte, künstlerische Selbstbestimmung und die Arbeitsstrukturen hinter ihrer gemeinsamen Produktion „Auf allen vieren“.

Darüber sprechen wir

  • die Entstehung der Bühnenadaption „Auf allen vieren“
  • Frauenfiguren, Sichtbarkeit und Rollenangebote jenseits der 40
  • Begehren, Körperbilder und die Perimenopause
  • Care-Arbeit, Kontrolle und das Abgeben von Verantwortung
  • Freundschaft und künstlerische Autonomie in einem selbst initiierten Quartett
  • FLINTA-Arbeitsräume, Verletzlichkeit und neue Formen der Zusammenarbeit
  • Seilschaften, Gagentransparenz und solidarische Netzwerke
  • Konkurrenz unter Frauen und das eigene innere Abwerten
  • Frauenquoten, Macht und Zukunftsbilder des Älterwerdens

Über die Gästinnen

Meike Droste

Meike Droste ist Schauspielerin, Sprecherin und Hörbuchregisseurin. Sie studierte von 1999 bis 2003 an der Otto-Falckenberg-Schule in München und spielte unter anderem an den Münchner Kammerspielen, am Berliner Ensemble, am Schauspielhaus Zürich, am Deutschen Theater Berlin, am Residenztheater München und am Burgtheater Wien.

2009 erhielt sie für ihre Mascha in Jürgen Goschs Inszenierung von „Die Möwe“ den FAUST-Theaterpreis. Einem breiten Publikum wurde sie als Bärbel Schmied in „Mord mit Aussicht“ bekannt. Seit der Spielzeit 2026/27 gehört sie zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses.

Sabine Auf der Heyde

Sabine Auf der Heyde ist Theaterregisseurin, Dozentin sowie Social-Justice- und Diversity-Trainerin. Sie wuchs in Hongkong auf, studierte in Peking und absolvierte ein Regiestudium an der New York University / Tisch School of the Arts.

Nach ihrer Assistenzzeit am Deutschen Theater Berlin arbeitet sie seit 2009 als freie Regisseurin an Häusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von 2012 bis 2019 studierte sie Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin mit Schwerpunkt Gender und kritische Theorie. Ihre Arbeit verbindet Fragen nach Spiel, Fiktion und Sprache mit Macht, Repräsentation und Social Justice.

Über die Produktion

Für „Auf allen vieren“ gründeten Meike Droste, Fritzi Haberlandt, Sabine Auf der Heyde und Holle Münster ein Quartett. Die Uraufführung nach Miranda Julys Roman fand im Februar 2026 in den Berliner Sophiensælen statt. Anschließend gastierte die Produktion unter anderem in Münster, Luxemburg und bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen.

Theater- und Opernempfehlungen der Folge

  • „Europa“ nach Wajdi Mouawad in der Regie von Krzysztof Warlikowski bei den Salzburger Festspielen 2026
  • Olivier Messiaens Oper „Saint François d’Assise“ in der Inszenierung von Romeo Castellucci bei den Salzburger Festspielen 2026
  • „Mononoke“ von Satoko Ichihara an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

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Credits

Moderation: Greta Călinescu

Transkript anzeigen

00:00:01: Teaterfrauen.

00:00:03: Ein Podcast mit Greta Kalinesco.

00:00:07: Herzlich willkommen bei Teater Frauen, ein Podcast von Für und Überfrauen am Theater!

00:00:13: Mein Name ist Greta Kallinesco und heute sind gleich zwei Frauen bei mir zu Gast die aus sehr unterschiedlichen Perspektiven auf das Theater schauen und die nach langjähriger Freundschaft für ihre gemeinsame Arbeit an einem Stoff zusammengefunden haben der ziemlich genau zu den Fragen dieses Podcasts passt.

00:00:29: Maike Drostes ist Schauspielerin.

00:00:31: Sie war im Ensemble an den Münster Kammerspielen, am Berliner Ensemble, am Schausspiel aus Zürich und am deutschen Theater Berlin wurde mit dem Faust als beste Schauspillerin ausgezeichnet und es einem großen Publikum natürlich auch durch ihre Hauptrolle in Mord mit Aussicht bekannt.

00:00:46: Sabine auf der Heide ist Regisseurin, arbeitet in der Lehre und als Social Justice-und Diversity-Trainerin.

00:00:52: Sie hat unter anderem am Deutschen Theater Berlin in Dresden Stuttgart Mainz und Bern inszeniert und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage wie Gender Macht und Repräsentation nicht nur auf unseren Bühnen sondern auch in unseren Arbeitsstrukturen sichtbar werden.

00:01:05: Jetzt haben die beiden gemeinsam Miranda-Julys Roman auf allen Vieren für die Bühne bearbeitet, die Geschichte einer Frau in der Mitte ihres Lebens, die plötzlich beginnt, die Regeln infrage zu stellen nach denen sie bisher gelebt hat.

00:01:17: Und genau da wollen wir heute anfangen!

00:01:19: Wir sprechen darüber was mit Frauen passiert wenn Sie vierzig, fünfzig oder sechzig werden?

00:01:24: Darüber welche Frauen wir auf unseren Bühnen sehen und welche plötzlich verschwinden über Begehren und Begehrtwerden, über Freundschaften Konkurrenz und Seilschaften unter Frauen?

00:01:33: Darüber, warum es manchmal so schwer ist den Mund aufzumachen wenn man einen Missstand erkennt und welchen Anteil Frauen selbst daran haben das bestimmte Strukturen bestehen bleiben.

00:01:42: Und natürlich sprechen wir über Macht, Solidarität und über die Frage ob wir Frauenquoten am Theater wirklich nicht mehr brauchen oder ob wir gerade erst angefangen haben etwas zu verändern.

00:01:52: Herzlich willkommen Maike Troste und Sabine Auf der Heide.

00:02:00: Hallo Sabine!

00:02:01: Hallo Maike!

00:02:02: Hallo!

00:02:03: Hallo liebe Greta

00:02:06: Ja, schön dass ihr da seid.

00:02:07: Wir fangen mit einem kleinen Spiel an als Warm-up das heißt entweder oder und ja ihr zu zweit.

00:02:12: seit heute machen wir das abwechselnd.

00:02:14: ich nenne zwei Begriffe und ihr müsst euch für einen entscheiden.

00:02:17: Ich würde sagen wir fangen jetzt Sabine an Sabine, dreißig oder fünfzig?

00:02:21: Fünfzig

00:02:22: Maike vernünftig oder unvernünftig?

00:02:24: Unzernünftig

00:02:26: Gefallen oder auffallen?

00:02:28: Auffallen Begehren

00:02:29: oder begehrt werden?

00:02:31: Begehrem

00:02:33: Sicherheit oder Abenteuer

00:02:35: Abenteuer.

00:02:37: Allein oder in Gesellschaft?

00:02:39: Schwierig!

00:02:42: Oh, allein.

00:02:45: Beste Freundin oder große Liebe?

00:02:48: Beste Freunden.

00:02:51: Sieht sich auch oft nicht aus.

00:02:55: Solidarität

00:02:56: oder Konkurrenz?

00:02:57: Solidarität.

00:02:59: Harmonie- oder Streit?

00:03:02: Da kann man so Angst gibt.

00:03:04: Ist beides super wichtig, ist beides total wichtig!

00:03:08: Schweigen oder den Mund aufmachen?

00:03:11: Im Mund aufmachen.

00:03:13: Quote- oder Revolution?

00:03:16: Beides.

00:03:19: Manchmal isst eine Quote ja schon die Revolution.

00:03:22: Die Quote ist der ist die Vorstufe.

00:03:26: Älter werden oder noch mal vormundzwanzig sein?

00:03:29: Ältern werden

00:03:31: Das war's schon.

00:03:32: Ich liebe dieses Spiel, ich spiele das ganz oft.

00:03:34: Ich finde immer mein Gerät in Krisen weil man denkt oh mein Gott.

00:03:38: und wenn ich jetzt da fühle entscheide wird es immer so sein!

00:03:42: Es gibt eine App die heißt Dilemma.

00:03:44: Die macht das Ganze auf einem komischen ethisch sozialen

00:03:48: Level aber

00:03:49: auch bruselig was man da so

00:03:51: teilweise für sich selber

00:03:52: dann auch

00:03:53: erfährt.

00:03:54: Liebe Michael, liebe Sabine.

00:03:55: Ihr habt zusammen in den Sophien-Sälen einen Stück aufgeführt, wo ein Roman adaptiert von Miranda July auf allen Viren.

00:04:04: Es geht um eine Frau bitte vierzig die das erste Mal drei Wochen am Stück allein Zeiten sich verbringt.

00:04:10: Fernab von Familie, Karriere, Partnerschaft, Freundschaften und Freundinenschaften und sich erst mal auf dem Roadtrip selbst entdecken möchte aber dann doch in einem Hotelzimmer bleibt.

00:04:22: Und man beobachtet diese Frau aufgeteilt ins Aufzwei Schauspielerinnen, da mit einer Kritik stand.

00:04:28: so schön durchs Schlüsselloch in diesem Hotelzimmer bei sich sozusagen!

00:04:33: Was hat euch an dem Stück gepackt?

00:04:36: Wie kam es dazu dass ihr das, was ihr gedacht habt?

00:04:39: Das müssen wir jetzt auf die Bühne bringen.

00:04:40: gab's dann Schlüsselmoment.

00:04:42: Erzähl doch mal

00:04:43: Vielleicht starte ich damit mal, weil das sozusagen die Origin-Story ist.

00:04:47: Mike und ich sind sehr gut befreundet seit wir Mitte zwanzig sind und haben in unterschiedlicher Intensität sozusagen auch die Arbeitsleben voneinander irgendwie beobachtet und begleitet über die vielen viele Jahre Und waren an einem Punkt, wo es schwieriger wurde auf verschiedene Weisen für uns beide arbeitstechnisch.

00:05:08: Ich war lange auf der Suche nach einem Monologen für Michael spezifisch und habe sehr viel gelesen und mich mit vielen sogenannten Frauentheben beschäftigt.

00:05:18: Als dieses Buch veröffentlicht wurde, war ich erst auf Halberstrecke und hab sofort gemerkt das ist jetzt das Thema, this is the material.

00:05:26: Und sie hat dann gesagt,

00:05:31: okay.

00:05:33: Dann ist eine Lawine ein bisschen losgerollt weil wir beide gemerkt haben dass das nicht monologisch für eine Spielerin sondern auf jeden Fall einen Monolog für zwei Spielerinnen unter anderem auch weil das Thema Freundschaft total zentral ist.

00:05:47: in dem Roman also eine andere Hauptfigur ist die beste Freundin Dordi über die alles was erlebt und durchlebt wird.

00:05:55: es geht sozusagen alles durch den besten Freundinnenfilter irgendwie hindurch Und ich habe auch gemerkt, dass ich das nicht alleine machen möchte.

00:06:02: Also so dieses Alleinkämpfer in einem Turm auf der Regieposition... Ich bin nicht deutsch-sozialisiert sozusagen.

00:06:09: Das Regietheater ist ja eigentlich eine deutschsprachige Erfindung und ich hab gemerkt die möchte auch nicht das allein machen.

00:06:14: und dann haben wir beide befreundete Kolleginnen angefragt auf beiden Positionen und haben für auf allen vielen ein Quartettgegründer zusammen mit unseren Kollegen Horle Münster und Fritzi Haberland sozusagen auf dieser Four-Way-Friendship das Abenteuer angegangen.

00:06:33: Maike,

00:06:34: würdest du sagen dass der Abend ein Abend ist

00:06:37: über

00:06:38: auch eine Art Midlife Crisis oder es eben gerade keine Krise also einer Frau und dann direkt mal daran angeschlossen?

00:06:48: Es gibt für Männer total viele Erzählungen, große Erzählungen über die Krise der Lebensmitte.

00:06:55: Also Sportwagenaffäreaufbruch bei Frauen ja deutlich weniger.

00:06:59: Denkt ihr es hat damit zu tun dass eine Frau in diesem Lebensalter vielleicht weniger verantwortungslos sein darf wie ein Mann?

00:07:07: Das waren jetzt viele Fragen auf einmal.

00:07:09: also das erste ist für mich ist in dem Roman sowohl inhaltlich schon sehr viel Krise vorhanden.

00:07:17: Also eine Frau in der Mitte ihres Lebens arbeitet sich sowohl an ihrer körperlichen Veränderung, ihrer körperlichen Krise ab als auch an die damit verbundene innerliche seelische und gefühlsebene Krise.

00:07:34: Und das was uns vor allem sehr gereizt hat an dem Roman war dass mit sehr viel Humor passiert Und absolut, das ist so wie im Patriarchat.

00:07:45: Die Narration ist natürlich immer... Wir wissen ganz viel!

00:07:48: oder scheinen zu wissen über die männliche Perspektive, die männlichen Perspektiven Coming-of-Age-Geschichten.

00:07:54: Die männliche Perspektive in der Midlife Crisis, wie ist es allzu werden?

00:08:01: Und die gibt's einfach viel weniger als also die weibliche Perspective und tatsächlich weiblicher Perspektives auch aus Sicht einer Frau nicht nur von einem Mann erzählt.

00:08:13: Und das fand ich auch im Arbeitsprozess extrem spannend, dass es für uns alle nicht nur harmonisch ablief oder wir das per se nur toll fanden.

00:08:24: Sondern man sich da auch abreibt weil ja jeder so Krisen unterschiedlich empfindet und Miranda July ist eine sehr radikale Künstlerin, auch radikal in bestimmte Themen reingeht die sie interessieren Und wo man dann erst mal übersetzen muss, was bedeutet es eigentlich für mich?

00:08:40: Sie benutzt ein extremes Bild.

00:08:42: Aber das ist eigentlich ein universelles Bild für die Krise, die da drunter liegt.

00:08:47: Das fand ich persönlich beim Arbeiten extrem spannend und das gibt es definitiv viel zu wenig.

00:08:54: Und das Dritte war – das glaube ich tatsächlich so, dass es gesellschaftlich also ist ein kollektives Problem strukturell wir Frauen dazu gedrängt wurden, vor allem ja im emotionalen und Kerrbereich die Verantwortung zu übernehmen.

00:09:09: Über viele Jahrtausende hinweg ist das so und das merke ich an mir selber auch immer noch.

00:09:16: wie oft wenn ich eigentlich mir einen Raum erkämpft habe Ganz schnell denke ich, Anni muss aber noch für alle einkaufen.

00:09:24: Und es wäre doch schon gut, wenn ich dann nochmal gucke, ob als die Kinder klein waren, dass die noch alle die Brotboxen spielen oder was weiß ich?

00:09:32: Ich habe immer Ausflüchte, wenn mich in meinem Raum erkämpft hat, was dann aber noch gemacht werden muss und übernehmen unglaublich viel Verantwortung für andere.

00:09:42: Und ich glaube wir als Frauen im Kollektiv dürfen immer mehr lernen zu sagen Wir können das und wir können diese Verantwortung abgeben und wir dürfen delegieren.

00:09:51: Und wir dürfen auch Männern vertrauen, das gehört auch dazu.

00:09:56: Die machen es vielleicht anders aber nicht weniger gut.

00:09:59: also mit diesem Verantwortlichsein dafür geht ja auch immer ein Herd dass man das dann wie die Kontrolle behält.

00:10:06: Also bitte soll derjenige der das übernimmt aber auch die Kehrarbeit bitte genauso machen wie ich das mache.

00:10:12: Und die Küche soll genau so gemacht werden wie Ich das mache.

00:10:14: Das finde ich einen sehr komplexen Themenbereich.

00:10:18: Ich würde vielleicht auch die körperliche Ebene noch hinzufügen, wenn wir sprechen über diese Muster für die wir uns... unbewusst oder bewusst irgendwann mal entschieden haben.

00:10:28: Du hast gefragt, ist es eine Krise?

00:10:30: In dem Wort steckt ja drin... Man schüttelt etwas so lange bis das Wichtige sich oben absetzt und es ist sozusagen eine Lebensphase wo man wenn man Glück hat und privilegiert lebt sich nochmal fragen kann was will ich eigentlich wirklich und merkt dass das System für das man sich entschieden hat oder dass sich halt irgendwie so entwickelt hat in den letzten Jahrzehnten ganz ehrlich also aus meiner persönlichen Perspektive gesprochen körperlich nicht mehr tragfähig ist.

00:10:57: Unsere Körper verändern sich so viel radikaler, ich habe eine probatierende Tochter und ich bin selber fix in diesen péromenopausalen Themen irgendwie eingebunden.

00:11:07: Und die Veränderungen sind massiv und dauern lange.

00:11:11: und wie können wir das was wir tun möchten mit dem im Blick tun damit wir nicht alle noch kränker werden, als wir sowieso schon sind.

00:11:20: Damit nicht alle im Burnout-Land und gerade in unseren Berufen ist das einfach ein Aspekt ... Also die Struktur der Theatermaschinerie ist keine Struktur für weibliche Körper, let's be honest right?

00:11:33: Und es geht eine bestimmte Zeit gut und ab einer bestimmten Zeit sieht man halt weniger und weniger KollegInnen auf den Bühnen am Inszenieren.

00:11:41: wie viele regiführende Menschen mit drei Kindern weiblich ergibt es usw.

00:11:45: Das ist schon auch ne Frage dass das System, dem wir folgen, unseren Körper nicht entspricht.

00:11:53: Du

00:11:53: hast gerade selber gesagt du hast auch so lang nach einem Stoff gesucht der das genau beinhaltet?

00:11:58: Das hat ja auch was mit Unsichtbarkeit zu tun!

00:12:00: Ich habe mich da in der Vorbereitung mit dieser Frage so ein bisschen schwergetan, mit diesem Unsicht war.

00:12:04: also wann wird eine Frau unsichtbar?

00:12:05: und vor allem für wen ist es?

00:12:08: für Männer allgemein... für die Gesellschaft?

00:12:11: oder eben in unserer Babel Theatermacher, Besetzungsagenturen, Büroscaster.

00:12:16: Oder ist auch diese Behauptung irgendwo ein Kischee?

00:12:18: Und was kann man dagegen tun um Frauen in unserem Alter um die vierzig über vierzig sichtbarer zu machen?

00:12:26: Also ich finde schön dass man es infrage stellt weil ich glaube schon viel an dieser Unsichtbarkeit ist auch persönliches empfinden.

00:12:34: wir hatten einmal einen Publikumsgespräch erinnere ich mich gut in Münster nach einer Vorstellung.

00:12:40: Und da waren mehrere Frauen über sechzig und die waren so ganz eindeutig, wir fühlen uns gar nicht unsichtbar.

00:12:47: Wir haben gar nicht dieses Thema.

00:12:48: und warum ist diese Figur so abhängig von dem sichtbar sein für einen Mann?

00:12:54: Was glaube ich schon ein großes Thema der patriarchalen Struktur ist dass Frauen sich über viele Jahrhunderte ja nur in Zusammenhang mit einem Mann sehen konnte.

00:13:03: Die große Maße.

00:13:04: natürlich gab es immer Ausnahmen und ich glaub das ist einmal individuell Ein Gefühl, aber strukturell und objektiv betrachtet werden ja einfach nach wie vor.

00:13:15: Also ich bin jetzt forty-six, was ich für Dinge interessant finde dass sich nicht im Mainstream abgebildet an Geschichten dies gibt es kommt jetzt immer mehr Bücher.

00:13:26: man merkt das ist mir ins Bewusstsein gerät Aber an Geschicht.

00:13:31: noch vor zehn Jahren gab's sehr wenig.

00:13:33: Und das was jetzt mainstreammäßig wenn mich als Spielerin spreche Ich finde, es gibt sehr wenige Beispiele von großen Frauenfiguren, die erzählt werden.

00:13:44: Die ich interessant finde und bei denen ich das Gefühl habe ... Oh ja?

00:13:49: Da kann ich irgendwie andocken!

00:13:51: Nicht im Sinne von mir wird dieselbe Geschichte erzählt, die ich privat lebe.

00:13:54: Sondern da ist mehr als A, sie ist über vierzig.

00:13:57: Sie ist jetzt schon Großmutter oder eine deprimierte Geschäftsfrau.

00:14:02: Und alle Männer finden sich scheiße.

00:14:05: oder sie ist alleinstehend und hat ein Problem, dass sie keinen neuen Partner findet.

00:14:10: Also jenseits dieser Erzählungen finde ich gibt es immer noch im Mainstream sehr wenig.

00:14:15: Und das andere ist dann tatsächlich der weibliche Körper ... also die Frau soll möglichst lange aussehen wie thirty-fünf.

00:14:25: Soll sich auch möglichst so verhalten?

00:14:27: Man soll möglichst nicht sehen, dass ich jetzt schon forty sechs

00:14:30: bin.".

00:14:31: Das Stück, das wir jetzt gerade die ganze Zeit rekurrieren auf allen Vieren ist ja jetzt besetzt von dir und Fritzi Haberland.

00:14:37: Also zwei Frauen, die genau das erfüllen.

00:14:39: also ihr seht ja wirklich wahnsinnig gut aus.

00:14:41: Vielen Dank!

00:14:43: Wurde darauf öffentlich auch Bezug genommen dass jetzt gerade Frauen die nicht aussehen wie Mitte vierzig dieses Stück spielen?

00:14:50: Darauf wurde bezuggenommen.

00:14:53: darüber wurde auch geschrieben viel.

00:14:55: ich habe mich dazu auch ausgetauscht mit Kolleginnen.

00:14:59: Es ist so, dass die Autorin selber diesem Bild total entspricht.

00:15:05: Sowohl die Figur, die sie schreibt in All For Us als auch Miranda July ... Sie erschafft sich selber ja irgendwie wie Kunstwerk.

00:15:13: Sie ist selber jetzt, glaub ich, fünfzig und das was sie in der Öffentlichkeit stellt über sich hat sehr viel mit Körpertunen, mit Gesundsein, bestimmt geformten Poa mit Tanz, mit äußerlichen Attributen zu tun und die Hauptfigur auch.

00:15:32: Also im Roman es gibt glaube ich sechzig Seiten wo sie sich... Pimpt, also wo sie Sport macht wie eine Verrückte.

00:15:39: Es gibt unendliche Beschreibung von Klamotten von Outfits

00:15:42: etc.,

00:15:42: das sind alles Aspekte die in der Arbeit mit ein gestrümt sind.

00:15:47: so und trotzdem würde ich sagen wir haben uns nicht deswegen dafür entschieden sondern Michael und Fritzi sind beide Schauspielerinnen die wir bewundern.

00:15:56: aufgrund ihres Mutes und aufgrund dieser seltenen Kombination von Tiefe und Wärme können, sag ich einfach mal wie fast niemand anders den wir kennen.

00:16:09: Und das sind jetzt auch keine Kolleginnen deren Karrieren immer nur auf ihr Äußeres aufgebaut waren.

00:16:15: im Gegenteil die würden eher in der sogenannten Characterfach irgendwie eingeordnet werden von den Mainstream-Medien und da ging es uns wirklich oder mehr... Wie gesagt Mike und ich kennen uns lange aber auch so von den Energien her.

00:16:29: damit wie viel Selbstironie Humor kann man eigentlich an sowas rangehen und mit einem kritischen Auge natürlich auch für was produzieren wir, was reproduzieren wir usw.

00:16:40: Da waren wir viel drüber im Austausch und sind uns sehr bewusst, mit wem wir es da zu tun haben.

00:16:45: Auch ein Aspekt an Miranda July den einige Kolleginnen total nervig finden ist interessant wie das aufgenommen wird also ich würde sagen von Menschen unter forty-fünf auf eine bestimmte Weise Nach dem Motto ist doch geil, wenn du einen gelben Badeanzug ein coolen Pro hast.

00:17:05: Aber die Erfahrung mit Kolleginnen ... Ich sag immer so mein Bracket zwischen forty-fünf und fünfzig.

00:17:11: Das ist wie eine Dekade, wo man sagt, sind wir nicht eigentlich weiter?

00:17:15: Müssen wir uns über Badeantüge und Puppboots definieren?

00:17:20: Und was soll das eigentlich?

00:17:21: Das ist mir schon auch entgegengekommen in der Rezension.

00:17:27: dass das nach wie vor ein Gespräch

00:17:30: unter Frauen ist.

00:17:31: Und es ist auch paradox, ich finde es wirklich auch paradox zu sagen naja man ist irgendwo auch unter anderem natürlich nur aber das spielt sicherlich auch eine Rolle erfolgreich und hat einen Publikum und eine Plattform weil man eben wie noch gut aussieht oder eben noch sichtbar sein kann und so gibt dem Thema dann Fokus.

00:17:51: Und dann wird das zum Vorwurf formuliert, das ist ja irgendwie total wild!

00:17:54: Ja, man stelle sich vor es gibt ja verschiedene sehr bekannte männliche Kollegen die große Figuren mit Midlife Crisis auf den Bühnen verkörpern und da sagt kein Mensch also der sieht eigentlich zu gut aus dafür dass er das spielen.

00:18:08: Der hat aber keinen Bierbauch, der hat aber nicht.

00:18:11: und man denkt sich so Leute Why are we having this conversation?

00:18:14: Immer noch.

00:18:15: Also darum geht es ja eigentlich, also um dieses unbewusste Bewerten.

00:18:20: abwerten immer mit den eigenen Positionen abgleichen das ist ja das anstrengende irgendwie daran.

00:18:26: was

00:18:26: hat euch denn bei der Arbeit am meisten mit eurem eigenen Blick auf Weiblichkeit konfrontiert?

00:18:33: vielleicht auch

00:18:34: Dieser wahnsinnige Körperkult, das hat mich schon regelmäßig wahnsinnig genervt.

00:18:39: Und dann dachte ich irgendwann ist ja interessant die Dinge, die einen am meisten so einem als Hindernis erscheinen sind ja oft Dinge bei denen man viel lernen kann.

00:18:48: also dann habe ich so überlegt warum stößt mich das eigentlich so ab?

00:18:53: und dann habe Ich viel darüber nachgedacht was du am Anfang auch die entweder oder frage begehren oder begehrt werden.

00:19:00: Tatsächlich bin ich jetzt eine Frau, die in ihrem Leben ... Ich hab mich wirklich nicht über.

00:19:05: Ich möchte begehrt werden definiert.

00:19:07: Das war nie mein Thema in meinem Leben und hab dann so gedacht, ah das könnte vielleicht interessant sein, mich mal mehr damit zu beschäftigen was es heißt also dieser Aspekt von Weiblichkeit und des Ernst zu nehmen.

00:19:21: Und mich hat am meisten das Thema Freiheit beschäftigt, was sie anspricht?

00:19:25: Die Frage wie können wir uns frei fühlen Situationen oder Konstruktion, in denen wir auch leben.

00:19:32: Und mit den verschiedenen Menschen, mit denen wir in Kontakt oder in Resonanz treten jeden Tag ... Wo und wann und mit wem fühle ich mich so wie ich wirklich bin?

00:19:41: Und da sozusagen einen ehrlichen Abgleich mit den Situationen, in dem ich mich im Alltag befinde, in einer Partnerschaft, in der Freundenschaft, in Arbeitskontexten.

00:19:51: Wie halten Frauenräume was bedeutet viel mehr Leadership damit wirst du dich wahrscheinlich auch beschäftigen usw.

00:19:59: Das sind so viele Anforderungen, glaube ich.

00:20:02: Man merkt, dass man das alles mal weglässt und guckt was ist da eigentlich?

00:20:06: What do I actually want?

00:20:07: Darum geht's Miranda Jolisi Tritt in Verbindung und stellt die Frage fragt euch doch mal Was wollt ihr wirklich Und was wollt ihr eigentlich?

00:20:17: Achtung alle Theaterhäuser Die Gaspieler einladen.

00:20:20: aufgepasst war eine freie Produktion im Kooperation mit den zu vielen Seelen, die man jetzt auch In einigen Gassspielen noch sehen kann

00:20:27: Richtig.

00:20:28: Am besten, liebe Hörerinnen und Hörern, guckt ihr alle Termine online nach auf allen Viren?

00:20:34: Ihr habt den Stoff euch selber ausgesucht!

00:20:36: Ihr habt die Besetzung selbst euch rausgesucht, ihr habt im Kollektiv gearbeitet.

00:20:40: Ihr kennt euch... Ihr beide kennt euch so lange seit Freundinnen.

00:20:43: Ihr habt dann im Kolljektiv mit weiteren lieben Kollegen in Holle Münstern Fritzi Haveland das Stück entwickelt.

00:20:49: Ich habe mit Freude gelesen dass bei der Besetzung auch überall eben Konzept oder Regie also alle machen irgendwie alles ein bisschen Funktioniert ein Kollektiv unter Frauen oder das aus Rheinfrauen besteht anders als eins mit Männern?

00:21:06: Sind da andere Dynamiken, Stichwort Kehrarbeit die da wirken.

00:21:09: Wie würdet ihr die Arbeit in einem Rhein-Frauen Leading Team beschreiben?

00:21:13: Ich würde

00:21:14: sagen ohne irgendwie Kategorien und so weiter aufmachen zu wollen Denn es ist auch ein sehr charmanter Kollege vom Ton mit in unserem Team gelandet später.

00:21:24: Aber ich bin im Arbeitsleben in sehr vielen verschiedenen Kontexten.

00:21:28: im Moment, wo nur flinter Personen sind, sage ich mal um die Kategorie vielleicht aufzuweiten und ja das macht einen Unterschied.

00:21:35: Es macht einen großen Unterschied allein schon auf einer kommunikativen Ebene und weil man zusammen sich darüber austauscht, wie arbeiten wir am besten.

00:21:45: Also was braucht jede für sich?

00:21:47: Was brauchen wir füreinander?

00:21:49: Wie können wir eine Struktur herstellen wenn wir uns einen freien Raum nehmen und entscheiden können, wie wir arbeiten wollen?

00:21:55: Was brauchen wir und wie kann man sozusagen sichergehen im Laufe der Zeit auch dass diesen Bedürfnissen gerecht wird?

00:22:01: das ist manchmal besser manchmal schlechter gelungen.

00:22:03: Das ist ein ständiger Verhandlungsprozess da natürlich auch Raum und Zeit braucht.

00:22:08: aber so ne Radikalität und so eine Offenheit, eine Ehrlichkeit und Solidarität untereinander.

00:22:16: Wo treten auch Fließen?

00:22:17: Wo Themen wie Schame und Vulnerabilität nicht genügen und so weiter offener angesprochen werden können?

00:22:25: Ich finde das ein ganz anderes Arbeiten tatsächlich weil ich merke Kommunikation wie meine Kolleginnen anders sind, wie anders gesprochen wird als wenn männlich gelesene Menschen im Raum sind.

00:22:38: Das finde ich so von der Beobachtungsposition total interessant das kennt ihr bestimmt.

00:22:43: man hat Kolleginnen und wenn man sich zu zweit unterhält dann hat das eine bestimmte Qualität und dann ist man in einem großen Raum in einer größeren Gruppe und da kommen Dynamiken zutage wo man denkt aha und das findet weniger statt also empfinde dass als ehrlich sehr weit.

00:23:02: Also ich kann dazu sagen, das war das erste Mal dass ich rein in einem weiblichen Team gearbeitet habe und es ging uns allen so glaube ich Und wir waren eigentlich weiß dass wir nach relativ kurzer Zeit uns mal zusammen getroffen haben und dann kam auch wie so eine Wehmut weil wir alle auch gerne und schon sehr gut mit Männern zusammengearbeitet haben und wir bestimmte Dinge bemerkt hatten wo wir gesagt haben oh das ist wirklich als vor allem auf kommunikativer Ebene so anders Und wie wir alle irgendwie ein bisschen traurig waren darüber und gleichzeitig dann zu sagen, hey aber das ist total wichtig dass man diese Erfahrung mitnimmt im Wiedergemisch der Arbeitskontexte.

00:23:42: Ich habe

00:23:43: in der Vorbereitung jetzt auch viel über das Wort Seilschaften nachgedacht.

00:23:48: ich bin mir gar nicht sicher ob es Seilschaften unter Frauen gibt oder ob das eher Freundinenschaften sind die beruflich vielleicht klammer auf noch klammern zu?

00:23:57: Nicht!

00:23:58: Die gleiche macht entfalten.

00:24:01: Und da habe ich mich dann gefragt, wie kann man auch das ändern?

00:24:03: Wie kann man sich denn unter Flinta oder Frauen Türen öffnen?

00:24:07: Wie konkret kann das aussehen?

00:24:09: Wie können wir eine Seilschaft entstehen lassen?

00:24:13: Also fängt es an bei sich gegenseitig die Honorare verraten vor Personenwahrenen oder jemandem für einen Job nennen und empfehlen oder woan rufen.

00:24:24: Warum fällt manchmal Solidarität unter Frauen doch noch schwer?

00:24:28: Das habe ich mich viel gefragt.

00:24:30: Ich glaube, das ist einmal ein strukturelles Problem und dass Frauen Solidarität im Patriarchat aufgrund der Positionen die Frauen haben in der Struktur.

00:24:40: Also das per se schon gegeben, dass die Seilschaft oder die Männer Solidaritet viel mehr eingeübt wurde über lange, lange Zeit.

00:24:48: Und das andere ist, ich bin extrem für Solidaritäts-, also jetzt auch in unserer jetzigen Zeit politisch ... Wie wollen wir zusammenleben?

00:24:55: Das wird so schnell auch als Überschrift geschrieben in der Zeitung.

00:24:59: Man liest immer öfter jetzt mit den bevorstehenden Wahlen, wie können wir solidarisch leben ist wirklich, glaube ich eine der zentralen Themen überhaupt die uns als Menschheit betrifft und natürlich weil das eben uns alle in unsere Gesamtheit so betrifzt.

00:25:14: Betrifft es uns natürlich auch im Theater und dass man offen über Gagen reden sollte uns gegenseitig empfehlen, dass wir aufhören sollten, uns als Konkurrentinnen zu sehen und viel mehr als Zusammenarbeiterinnen.

00:25:30: Dass wir einander helfen, das wir aneinander vielmehr verzeihen, dass we einander viel mehr zuhören all diese Dinge die Solidarität ausmachen.

00:25:38: Diese Themen die sollten wie Frauen glaube ich wirklich auch wirklich wirklich viel viel viel Offensiver ansprechen und sobald es nicht stattfindet, auch uns Trauen anzusprechen warum's nicht statt findet.

00:25:51: Ich finde auch wir haben ja überall den Begriff der Sachseilschaften.

00:25:55: auf Englisch gibt es dieses Old Boys Network.

00:25:57: das sind ja so ganz anders funktionierende Netzwerke.

00:26:02: Also wir haben gesprochen darüber, dass es nicht darum gilt sozusagen ein Old Boys Network mit einem Old Girls Network zu ersetzen sondern das wir auf eine Vernetzung, auf einen Art ein Netzwerk zu bilden und hinarbeiten.

00:26:15: was mir zusätzlich zudem was Maike gerade beschrieben hat Eidfeld ist, der Unterschied ist dass man sich wirklich für die Perspektiven anderer interessiert denn dieses Seilschaften Old Boys ist ja meistens hängt zusammen mit einer Gruppe von Menschen, die mehr oder weniger Buddies sind.

00:26:34: Die irgendwie ähnlich denken.

00:26:36: eine Person lädt Freunde ein um an seinem Haus zu arbeiten und so weiter.

00:26:41: Und für die anderen Perspektiven das muss man dann... Es gibt sein kleines Kuchenstück und das muss dann feministisch oder divers oder wie auch immer irgendwie aussehen.

00:26:52: Ich glaube dieses aufrichtige Interesse an dieser wirklichen Perspektive vielfalt und an so einer radikalen Diversität, das ist glaube ich unsere Aufgabe.

00:27:02: Und bisher hat es noch nicht stattgefunden weil sich alle um ein kleines Kuchenstück gekloppt haben und nicht um den ganzen Kuchen.

00:27:10: Was Maike sagt dieses Konkurrenzdenken überwinden?

00:27:13: Das ist auch eine Generationenfrage finde ich schon denn auch wie wir schon gesprochen haben hilft natürlich nicht wenn es gibt ja auch Position dann zum Beispiel in Auswahlgremien wenn dann eine bestimmte Art von Frau sitzt, wo wir alle zusammengesagt haben.

00:27:28: Das gildet aber nicht!

00:27:29: Denn es geht darum wie diejenigen, die die Pforten sozusagen hüten – was sie wirklich umtreibt und was die wirklich interessiert.

00:27:38: Und das merkt man ja relativ schnell.

00:27:40: Die Zeit ist jetzt einfach so dass es um den ganzen Kuchen geht und nicht nur um ein Stück und alle kloppen sich um dasselbe Stück mehr oder weniger.

00:27:49: Wir müssen dieses Konkurrenzdenken überwinden Interesse und mit Zuhören aufeinander zugehen.

00:27:57: Und diese Netzwerke einfach verändern, die Art und Weise ein Netzwerk zu leben anders machen.

00:28:03: Das ist glaube ich das Projekt, dass man so aufrichtig sagen kann I've got your back no matter what.

00:28:10: Und das ist dieses Gefühl, was ich auch in diesem Zusammenarbeiten gehabt habe und nach wie vor habe.

00:28:16: Wenn ich sage diese oder diese künstlerische Entscheidung – Ich kotze!

00:28:19: Ich kann es nicht aushalten, dann weiß ich alle tragen das irgendwie mit und das fühlt sich so super an.

00:28:25: Und ich hab' auch das Gefühl, perspektivisch ist dann viel mehr möglich.

00:28:29: Würdet ihr sagen gibt es immer noch Frauen in Machtpositionen?

00:28:33: Die andere Frauen- oder Flinta härter beurteilen als Männer?

00:28:37: Gibt's die

00:28:37: noch?!

00:28:39: Und habt ihr euch vielleicht mal selber dabei ertappt, dass ihr das tut?

00:28:42: Ich glaube ich gibt es.

00:28:43: Weil wir Menschen sind so unterschiedlich und natürlich gibt es Menschen die unglaubliche Machtmenschen sind sowohl Männer als auch Frauen als auch alle anderen.

00:28:51: Diverse gelesenen Personen gibt es auch.

00:28:54: garantiert macht Menschen Das strukturelle Probleme was sich vorher so angedeutet habe Dass das einfach per se.

00:29:01: Die Männer sind in diesen Positionen Prozentual wahrscheinlich mehr Männer.

00:29:06: Aber das gibt es natürlich unter Frauen.

00:29:07: genauso, mich selber zu beurteilen.

00:29:11: Das ist natürlich immer schwierig.

00:29:12: Ich kann mir bestimmt vorstellen ... ich würde es von mir selber jetzt, wenn du mich fragst, würd ich sagen, ich bin keine Person die in Konkurrenz geht.

00:29:23: Aber ich kann mir vorstellen, dass ich auch einen blinden Fleck habe und mich mal irgendjemandem gegenüber einer Frau gegenüber so verhalten habe.

00:29:32: Ich bin sechsundvierzig Jahre alt, ist garantiert in meinem Leben schon passiert.

00:29:36: Herr See, würde ich sagen, Konkurrenz ist jetzt nicht so mein großes Thema im Leben und ich hab eher immer drunter gelitten, dass das doch ein großes Thema unter Frauen ist.

00:29:46: Und fand es immer sehr traurig und ich möchte ... Hab irgendwann beschlossen, ich möcht's aber nicht mehr traurigt finden, ich möchte was dazu beitragen, dass es weniger wird.

00:29:57: Ich möchte auch nicht mehr da mich so unmächtig fühlen oder so, wenn ich in so Situationen gerate.

00:30:02: Ich versuche, das ist ein kleines Beispiel.

00:30:05: Aber ich denke darüber nach wie ich zum Beispiel über die Arbeit von Kolleginnen spreche auch also wie gucke ich darauf?

00:30:13: Wie spreche ich danach darüber?

00:30:15: Wie interessiere ich mich dafür?

00:30:17: Also was überhaupt die Haltung mit der ich ins Theater gehe und da sitze und mir das irgendwie anschauen weil natürlich sind wir alle... Wir machen das beruflich.

00:30:25: es hält total schwer etwas Judgment-free irgendwie anzugucken.

00:30:29: Aber dieses, was sehe ich gerade?

00:30:31: Was macht das mit mir?

00:30:32: und auch wofür hat sich dieses Team interessiert?

00:30:36: Ich versuche darüber ein bisschen einen anderen Zugang zu finden.

00:30:40: Und selber merke ich, als du gefragt hast, da merke am meisten wie ich mich ertappt fühle bei dem Sprechen über die Arbeit von andern, dass man manchmal kein Verständnis dafür hat, dass eine bestimmte Position jetzt so und so erfolgreich ist oder so und Anstatt mal darüber nachzudenken oder genauer hinzugucken, mit welchen Themen wird sich da auseinander gesetzt und wie hängt das zusammen auch mit der Logik?

00:31:05: Ich würde sagen so dass eigene innere abwerten.

00:31:09: Da möchte ich gerne daran arbeiten weil ich da selber überhaupt keine Lust mehr zu habe.

00:31:13: Weil ich das als wirkliches Geschenk empfinde auch Regie-Kolleginnen zu treffen und zu sagen wow!

00:31:19: Wir gehen nochmal zurück auf den Anfang unseres Gesprächs bevor wir noch zu einem abschließenden Spiel kommen.

00:31:25: Wenn ihr euch aussuchen könntet, welches Bild einer sechzigjährigen Frau in ... sagen wir, zwanzig Jahren etwa?

00:31:33: Das finde ich dann auch alle so weit.

00:31:35: Weniger!

00:31:36: Bisschen weniger, oh Gott, oh God.

00:31:39: Oh ja, weniger.

00:31:40: Sechszig, fünfundsechzig ist das neue Fünfzig.

00:31:44: Wenn ihr Euch aussuchen kündet... Welches Bild da selbstverständlich auf unseren Bühnen steht was wäre das für eine Frau?

00:31:52: Ich habe so ne Postkarte die mir mein Bruder mal aus einem Asien-Urlaub geschickt hat.

00:31:57: Da sitzt so eine Lady auf dem Stuhl, nach vorne auf die Beine gestützt und da hat es so ne Leggins an und so nen Tanktop ist klein und dick und hat so ein Zigarette im Mund.

00:32:13: Und guckt so neben sich... Ist das Gemüse zu schälen?

00:32:17: Von so in die Straßenfotografie!

00:32:20: Ich fand dieses Bild super weil ich dachte immer Geil, ich will auch mal so eine coole alte sein.

00:32:25: Also ich hab noch nie in meinem Leben geraucht!

00:32:28: Ich glaub aber nicht dass ich so dick werden werde... Aber ich finde dieses Selbstverständnis mit dem dieser Mensch zwar so sitzt und macht das find' ich ziemlich attraktiv tatsächlich.

00:32:38: Den würde ich mich anschließen.

00:32:39: Es gibt ja sehr viele coole Frauen oder Künstlerinnen die Vorbilder sind.

00:32:44: Partys mit zum Beispiel sag ich mal an der Stelle.

00:32:47: Ich würde sagen eine Frau, die auf der Bühne steht und die aber auch Bock hat in Resonanz mit der Welt immer noch zu gehen.

00:32:54: Die Lust hat auf das was sie am interessantesten findet, die vielleicht auch ein Badeanzug anhat wenn sie es will ob dick oder nicht dick!

00:33:02: Und die aber nicht so innerlich ab... gedriftet irgendwie ist, sondern die Lust hat da zu sein.

00:33:08: Die Lust hat auf den Austausch.

00:33:09: Die lust hat auf weiß ich nicht das Entertainment oder auch was immer an diesem Abend dann passieren wird und die in Verbindung ist mit sich selber und mit den Leuten und sich nicht mehr entschuldigt und nicht mehr ständig B-und abwertet.

00:33:22: Und sich nicht ständig b und abgewertet fühlt, sondern sich einfach mal den eigentlichen Themen und dies uns irgendwie alle gehen sollte, wird.

00:33:29: man kann ohne das ganze drum herum.

00:33:31: Wer

00:33:31: wäre denn dein Vorbild, Maike?

00:33:33: Patty Smith ist bei Sabine gelandet.

00:33:35: Bei mir ist es immer Christiane Rösinger.

00:33:37: Wer ist das bei dir?

00:33:39: Lustigerweise!

00:33:40: Ich hab ja kurz gezögert und wollte Patty Smith sagen.

00:33:42: Und dann dachte ich nee... ...ich will keine Künstlerinnen nennen weil ich tatsächlich... Es gibt so viele Menschen auf der Welt und so viele... Ich will jetzt keine Künderinnen nehmen.

00:33:54: Bei Mir kommt auch noch meine Mutter dazu selbstverständlich.

00:33:57: Tischeo oder Wahrheit?

00:33:58: Wir machen's wie vorher.

00:33:59: Ich stelle eine These in den Raum und eine von euch benennt ist, wenn es Klischee oder Wahrheit.

00:34:05: Wer hat denn eben angefangen?

00:34:07: Sabine hat angefangen.

00:34:08: jetzt fängt dann Maike an.

00:34:10: Klischee oder Wahrheid?

00:34:11: Frauen über vierzig werden unsichtbar.

00:34:13: Wow!

00:34:14: Das ist schwierig.

00:34:15: Ist tatsächlich noch beides glaube ich.

00:34:19: Klischeeder Wahrheit Sabine.

00:34:20: Männer dürfen auf der Bühne interessanter altern als Frauen.

00:34:24: Wahrheit Maike.

00:34:26: Eine Schauspielerin hat einen Verfallsdatum

00:34:30: Leider.

00:34:31: Wahrheit.

00:34:33: Frauen werden mit zunehmendem Alter freier.

00:34:36: Wahrheit,

00:34:36: Frauen konkurrieren härter miteinander als Männer.

00:34:40: Wahrkeit

00:34:40: und dann gleich die Gegentehse.

00:34:42: Frauen sind solidarischer miteinander als Männer.

00:34:45: auch Wahrheit.

00:34:47: Frauen entschuldigen sich häufiger wenn sie Macht ausüben.

00:34:51: Wahrheid,

00:34:53: Frauen fördern Frauen

00:34:56: Betroffenes Schweig.

00:34:59: Also ein Klischee ist es auf keinen Fall eine hoffnungsvolle Wahrheit.

00:35:03: vielleicht

00:35:04: Die größten Gegnerinnen von Frauen sind manchmal andere Frauen.

00:35:09: Wahrheit.

00:35:11: Theater sind progressiver auf der Bühne als hintert der Büne.

00:35:16: Wahr- heit!

00:35:17: Das Letzte?

00:35:19: Ohne Quote geht es wieder auch rückwärts.

00:35:22: Mhm, Wahrheit... Leider immer noch Wahrheit!

00:35:27: Viele Wahrheiten heute, viele Wahrheiten.

00:35:31: Und auch vielen, vielen Dank, dass ihr mich beim Podcast besucht habt.

00:35:35: Liebe Maike, liebe Sabine!

00:35:36: Ich hoffe wir sehen uns auch mal jenseits vom Podcasten und ich wünsche euch einen wunderschönen Tag.

00:35:45: Vielen Dank für die Einladung.

00:35:47: Dir auch, liebe Greta.

00:35:48: Für das was bei dir jetzt alles kommt möge die Macht sowohl die Sichtbare als auch die Unsichtbare immer wieder sein.

00:35:58: So guter Letzt möchte ich euch beide noch um eine Theaterempfehlung bitten.

00:36:03: Die kann von euch selbst sein, die kann von einem Kollegen oder einer Kollegin sein... Das ist mal ganz egal!

00:36:09: Je aktueller desto besser?

00:36:11: Ich bin ja gerade in Salzburg und ich habe zwei aktuelle Empfehlungen.

00:36:14: Darf ich auch zwei machen?

00:36:16: Eine ist die OPA.

00:36:17: Interessanterweise passt es um Frauen-Mann-Thema.

00:36:22: Es sind beides Institutionen von Männern Weil im Salzburg, soweit ich es mitbekomme, hat nur zwei weibliche Regisseurinnen dabei.

00:36:32: Wahnsinn!

00:36:33: Lassen wir

00:36:33: auch mal so stehen?

00:36:35: Und die eine Empfehlung war von

00:36:37: Likowski

00:36:38: des Gaspiel Europa, was ich sehen konnte.

00:36:41: Da sind sehr tolle Svornrollen drin und das andere ist die Oper von Messiar Franz von Assisi.

00:36:47: Das ist wirklich ein Opus Magnum, was mich sehr tief bewegt hat.

00:36:52: Castellucci

00:36:53: Kastelucci hat das inszeniert, genau.

00:36:55: Und ich mache eine Vorempfehlung!

00:36:57: Ich habe überlegt worauf freue ich mich und bin sehr gespannt.

00:37:01: die letzte Karte, die ich gekauft hab war für Mononoke an der Volksbühne.

00:37:05: da ist ja ne neue Intendanz wie wir alle wissen Das ist von Zatoko Ichihara und da spielen ganz viele Kolleginnen mit Die man auch so aus der Arbeit mit Leonie Böhm kennt und es sind sehr viele tolle Performerinnen die damit machen und da bin ich total gespannt drauf und hoffe dass das toll wird.

00:37:23: Das ist ab Oktober

00:37:24: in der Volkspinne.

00:37:25: Ja, dann vielen Dank und

00:37:28: bis

00:37:33: dahin!

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